Ein Vertu-Handy kostet je nach Modell mehrere Tausend bis mehrere Zehntausend Euro. Historische Sondereditionen erreichten sogar Preise, für die andere Menschen eher einen Sportwagen oder eine kleine Wohnung besichtigen würden. Die hohen Summen entstehen jedoch nicht allein durch die verbaute Smartphone-Technik.
Vertu verbindet Mobiltelefone mit Materialien und Dienstleistungen aus der Luxusbranche. Leder, Keramik, Saphirglas, Edelmetalle, Handarbeit, kleine Stückzahlen und ein persönlicher Concierge sollen aus einem gewöhnlichen Gebrauchsgegenstand ein Statussymbol machen. Käufer bezahlen deshalb nicht nur für Prozessor, Kamera und Speicher, sondern auch für Exklusivität und Markenwirkung.
Als sichere Wertanlage eignet sich trotzdem nicht jedes Vertu-Handy. Gewöhnliche Serienmodelle verlieren häufig an Wert, weil Akkus altern, Software veraltet und die Zahl potenzieller Käufer klein bleibt. Interessant für Sammler können vor allem seltene Editionen mit nachvollziehbarer Herkunft, vollständigem Zubehör und sehr gutem Zustand werden.
Bild: Das Vertu AlphaFold zeigt, warum Vertu-Handys so teuer sind: Edle Materialien und aufwendige Verarbeitung machen den Kauf exklusiv, aber nicht automatisch zur sicheren Wertanlage. (Quelle: vertu.com, bearbeitet)
Vertu wurde 1998 innerhalb von Nokia gegründet. Die Idee bestand darin, ein Mobiltelefon nach ähnlichen Maßstäben wie eine Luxusuhr oder ein hochwertiges Schmuckstück zu entwickeln. Die Geräte wurden damals im englischen Church Crookham gefertigt und einzeln von Hand montiert.
2012 verkaufte Nokia 90 Prozent der Marke an die Beteiligungsgesellschaft EQT. Nach weiteren Eigentümerwechseln geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten. 2017 wurde die ursprüngliche britische Fertigung geschlossen. Die Marke verschwand damit jedoch nicht dauerhaft, sondern wurde später unter neuer Führung wiederbelebt.
Heute bietet Vertu erneut aktuelle Android-Smartphones und Foldables an. Zum Sortiment gehören unter anderem das Agent Q, das Quantum Flip, das Metavertu Max und das große Falt-Smartphone AlphaFold. Die pauschale Aussage, alle heutigen Vertu-Handys würden weiterhin in der früheren englischen Manufaktur gebaut, wäre daher falsch. Geblieben sind vor allem die britische Markengeschichte, die auffällige Gestaltung und der Anspruch, Smartphones wie Luxusobjekte zu verkaufen.
Der Preis eines Vertu-Handys setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen. Materialien und Verarbeitung spielen eine wichtige Rolle, erklären den Aufschlag gegenüber einem gewöhnlichen Oberklasse-Smartphone aber nicht vollständig.
Vertu verwendet je nach Modell Kalbsleder, Alligatorleder, Keramik, Titan, Saphirglas, vergoldete Bauteile oder andere aufwendige Materialien. Bei besonders exklusiven Ausführungen kommen Gold, Diamanten und individuell ausgewählte Lederarten hinzu.
Allerdings besteht nicht jedes Vertu-Handy automatisch aus massivem Gold und einem halben Juweliergeschäft. Viele aktuelle Einstiegsversionen setzen vor allem auf Leder, Metall und Keramik. Diamanten und Edelmetalle finden sich überwiegend bei Sonderausführungen und individuell konfigurierten Geräten.
Diese Materialien verändern Haptik, Gewicht und Erscheinungsbild. Die Rechner-App addiert deshalb zwar nicht genauer und Nachrichten werden auch nicht in 18 Karat verschickt, aber genau darum geht es bei einem Luxus-Handy nur am Rande.
Normale Smartphones werden in sehr großen Stückzahlen produziert. Vertu arbeitet dagegen mit deutlich kleineren Serien, aufwendigeren Gehäusen und teilweise personalisierbaren Ausführungen.
Beim aktuellen Agent Q spricht der Hersteller beispielsweise von mehr als 320 einzeln montierten Komponenten, vergoldeten Bauteilen und einer aufwendigen SIM-Abdeckung mit mechanischem Flügelverschluss. Solche Konstruktionen kosten mehr Zeit als ein standardisiertes Gehäuse, das millionenfach nahezu identisch vom Band läuft.
Käufer können bei bestimmten Modellen außerdem Farben, Lederarten, Gravuren und weitere Details auswählen. Je ausgefallener die Konfiguration, desto weniger lässt sich das Gerät wie gewöhnliche Serienware produzieren.
Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Smartphone-Marken ist der Ruby Key. Die seitlich angebrachte Taste stellt je nach Gerät und gebuchtem Leistungsumfang den Kontakt zu digitalen Diensten oder einem persönlichen Concierge her.
Vertu bewirbt darüber unter anderem Unterstützung bei:
Der Concierge übernimmt die Organisation. Flugtickets, Hotelzimmer oder Konzertkarten werden dadurch selbstverständlich nicht automatisch kostenlos. Vor dem Kauf sollte deshalb geklärt werden, welche Leistungen beim ausgewählten Modell enthalten sind, wie lange der Zugang gilt und welche zusätzlichen Kosten entstehen können.
Ein Vertu-Handy wird nicht nach denselben Maßstäben kalkuliert wie ein gewöhnliches Android-Smartphone. Der Verkaufspreis enthält einen erheblichen Aufschlag für Marke, Seltenheit, Gestaltung und Außenwirkung.
Das Prinzip ähnelt einer Luxusuhr. Ihr Preis lässt sich ebenfalls nicht allein aus Metall, Glas und Uhrwerk zusammenrechnen. Ein Teil des Wertes entsteht dadurch, dass die Marke bekannt, das Produkt schwer erhältlich und für andere Menschen sofort erkennbar ist.
Wer ausschließlich die beste Kamera, den schnellsten Prozessor oder die längste Update-Zusage sucht, erhält bei anderen Herstellern mehr Technik für weniger Geld. Vertu richtet sich an Käufer, für die ein Smartphone gleichzeitig Accessoire, Statussymbol und persönliches Einzelstück sein soll.
Die Preise unterscheiden sich stark nach Modell, Material und Konfiguration. Im offiziellen Vertu-Sortiment lagen die sichtbaren Einstiegspreise bei unserer Prüfung ungefähr in folgenden Bereichen:
Bei den ersten 4 Angaben handelt es sich um die niedrigsten zum Prüfzeitpunkt im Vertu-Shop ausgewiesenen Preise der jeweiligen Modellreihe. Der AlphaFold Himalaya Alligator ist eine konkrete Luxusausführung, die Vertu für 21.200 US-Dollar anbietet. Andere Lederarten, Gold, Diamanten und Personalisierungen können den Preis weiter erhöhen. Bei einer Bestellung nach Deutschland können zusätzlich Steuern, Einfuhrabgaben und Gebühren anfallen.
Historische Sondermodelle spielten in einer noch höheren Preisklasse. Das bekannte Vertu Signature Cobra wurde mit rund 310.000 US-Dollar gehandelt. Eine goldene Kobra mit zahlreichen Edelsteinen wand sich um das Gehäuse. Spätestens an diesem Punkt war die Frage nach dem passenden Mobilfunktarif vermutlich nicht mehr das größte Problem des Bankberaters.
Trotz solcher Preise stellte Vertu nicht automatisch das teuerste Handy der Welt her. Das Diamond Crypto Smartphone kostete 1,3 Millionen US-Dollar und übertraf selbst die bekanntesten Vertu-Sondereditionen deutlich.
Ältere Vertu-Handys waren technisch häufig bereits bei ihrer Veröffentlichung nicht auf dem Niveau der besten Konkurrenzmodelle. Bei den aktuellen Geräten fällt der Abstand kleiner aus.
Das Agent Q und das AlphaFold werden unter anderem mit einem leistungsstarken Snapdragon-Chip, 16 GB Arbeitsspeicher, 1 TB internem Speicher, 5G, Wi-Fi 7 und umfangreichen Kamerasystemen angeboten. Dazu kommen je nach Modell faltbare Displays, spezielle Sicherheitschips, getrennte Systembereiche und AI-Funktionen.
Vertu bewirbt außerdem verschlüsselte Kommunikation, geschützte Speicherbereiche und eine stärkere Kontrolle über persönliche Daten. Dabei handelt es sich zunächst um Angaben des Herstellers. Wer das Smartphone für besonders vertrauliche geschäftliche Kommunikation einsetzen möchte, sollte prüfen, welche Funktionen unabhängig zertifiziert wurden und wie lange Sicherheitsupdates bereitgestellt werden.
Genau hier liegt ein wichtiger Unterschied zwischen technischer Ausstattung und langfristigem Nutzen. Ein schneller Prozessor und 1 TB Speicher sehen auf dem Datenblatt gut aus. Für ein mehrere Tausend Euro teures Smartphone sind aber auch folgende Punkte wichtig:
Eine ähnlich konkrete, mehrjährige Update-Zusage wie bei Samsung oder Google ist auf den öffentlich zugänglichen Vertu-Produktseiten nicht durchgängig zu erkennen. Bei einem gewöhnlichen Smartphone ist das ärgerlich. Bei einem Luxusgerät zum Preis eines Gebrauchtwagens sollte diese Frage vor der Bestellung geklärt werden.
Neue Vertu-Handys lassen sich über den internationalen Online-Shop der Marke bestellen. Vertu wirbt mit kostenlosem Standardversand und nennt für Europa eine Lieferzeit von ungefähr 7 bis 15 Werktagen.
Kostenloser Versand bedeutet jedoch nicht automatisch eine kostenlose Einfuhr. Vertu weist darauf hin, dass der Käufer bei internationalen Bestellungen als Importeur gilt und für Steuern, mögliche Zölle sowie Gebühren des Versanddienstleisters verantwortlich ist. Für Deutschland wird eine Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent genannt. Der kostenlose Versand könnte damit die preiswerteste Zeile auf der gesamten Rechnung bleiben.
Für das Hauptgerät und den Akku nennt Vertu eine Garantie von 12 Monaten. Für Lieferungen nach Europa weist der Hersteller außerdem auf ein 14-tägiges Rückgaberecht hin. Personalisierte Sonderanfertigungen können davon ausgenommen sein. Vor einer Bestellung sollte man die aktuellen Bedingungen deshalb speichern und sämtliche Zusagen schriftlich bestätigen lassen.
Auf eBay, spezialisierten Handelsplattformen und bei Sammlern werden zahlreiche ältere Vertu-Modelle angeboten. Ein Kauf über solche Plattformen ist nicht grundsätzlich unseriös. Das Risiko einer Fälschung, eines zusammengebauten Geräts oder einer unklaren Herkunft ist aber höher als bei einem aktuellen Modell aus dem offiziellen Shop.
Vor dem Kauf sollten mindestens diese Punkte geprüft werden:
Weitere Hinweise zu Seriennummer, Verpackung und auffälligen Angeboten findest du in unserem Ratgeber zum Thema Fake-Handy erkennen.
Ein altes Vertu kann äußerlich hervorragend erhalten sein und technisch trotzdem kaum noch sinnvoll funktionieren. Besonders Geräte mit veraltetem Android, abgeschalteten Mobilfunkstandards oder verschlissenem Akku eignen sich eher für die Vitrine als als zuverlässiges Haupttelefon.
Die meisten Vertu-Handys sind keine verlässliche Wertanlage. Auch ein luxuriöses Smartphone bleibt ein elektronisches Gerät, dessen Akku altert, dessen Software veraltet und dessen Reparatur mit den Jahren schwieriger wird. Ein hoher Neupreis schützt nicht automatisch vor Wertverlust.
Eine britische Verkaufsübersicht für Vertu-Sammlermodelle aus dem Jahr 2019 zeigt das recht deutlich. Mehrere Signature-S-Modelle mit ursprünglichen Listenpreisen zwischen 10.500 und 19.500 britischen Pfund wurden später für 3.250 bis 4.000 Pfund angeboten. Das ist kein vollständiger Marktindex, widerlegt aber die Vorstellung, ein hoher Vertu-Neupreis bilde automatisch eine dauerhafte Untergrenze.
Sammlerpotenzial besitzen eher Geräte mit besonderen Eigenschaften:
Besonders alte Signature-Modelle, nummerierte Editionen, Ferrari-Kooperationen oder Geräte mit dokumentierten Edelsteinen können für spezialisierte Sammler interessant sein. Der Markt ist allerdings klein. Zwischen einem hohen Angebotspreis und einem tatsächlich erzielten Verkaufspreis kann ein erheblicher Unterschied liegen.
Wer ein Vertu-Handy kaufen möchte, sollte den persönlichen Nutzen deshalb stärker gewichten als eine mögliche Rendite. Gefällt dir das Design, möchtest du das Gerät sammeln oder nutzt du die angebotenen Dienstleistungen, kann der Kauf nachvollziehbar sein. Als planbare Geldanlage taugt ein gewöhnliches Vertu-Smartphone dagegen kaum. Ein edler Lederbezug verwandelt einen alternden Akku schließlich noch nicht in eine Anleihe.
Vertu verbindet Mobiltelefone mit Materialien und Dienstleistungen aus der Luxusbranche. Leder, Keramik, Saphirglas, Edelmetalle, Handarbeit, kleine Stückzahlen und ein persönlicher Concierge sollen aus einem gewöhnlichen Gebrauchsgegenstand ein Statussymbol machen. Käufer bezahlen deshalb nicht nur für Prozessor, Kamera und Speicher, sondern auch für Exklusivität und Markenwirkung.
Als sichere Wertanlage eignet sich trotzdem nicht jedes Vertu-Handy. Gewöhnliche Serienmodelle verlieren häufig an Wert, weil Akkus altern, Software veraltet und die Zahl potenzieller Käufer klein bleibt. Interessant für Sammler können vor allem seltene Editionen mit nachvollziehbarer Herkunft, vollständigem Zubehör und sehr gutem Zustand werden.
Bild: Das Vertu AlphaFold zeigt, warum Vertu-Handys so teuer sind: Edle Materialien und aufwendige Verarbeitung machen den Kauf exklusiv, aber nicht automatisch zur sicheren Wertanlage. (Quelle: vertu.com, bearbeitet)
Vertu gibt es noch, aber nicht mehr als Nokia-Marke
Vertu wurde 1998 innerhalb von Nokia gegründet. Die Idee bestand darin, ein Mobiltelefon nach ähnlichen Maßstäben wie eine Luxusuhr oder ein hochwertiges Schmuckstück zu entwickeln. Die Geräte wurden damals im englischen Church Crookham gefertigt und einzeln von Hand montiert.
2012 verkaufte Nokia 90 Prozent der Marke an die Beteiligungsgesellschaft EQT. Nach weiteren Eigentümerwechseln geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten. 2017 wurde die ursprüngliche britische Fertigung geschlossen. Die Marke verschwand damit jedoch nicht dauerhaft, sondern wurde später unter neuer Führung wiederbelebt.
Heute bietet Vertu erneut aktuelle Android-Smartphones und Foldables an. Zum Sortiment gehören unter anderem das Agent Q, das Quantum Flip, das Metavertu Max und das große Falt-Smartphone AlphaFold. Die pauschale Aussage, alle heutigen Vertu-Handys würden weiterhin in der früheren englischen Manufaktur gebaut, wäre daher falsch. Geblieben sind vor allem die britische Markengeschichte, die auffällige Gestaltung und der Anspruch, Smartphones wie Luxusobjekte zu verkaufen.
Warum sind Vertu-Handys so teuer?
Der Preis eines Vertu-Handys setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen. Materialien und Verarbeitung spielen eine wichtige Rolle, erklären den Aufschlag gegenüber einem gewöhnlichen Oberklasse-Smartphone aber nicht vollständig.
Luxusmaterialien statt gewöhnlichem Smartphone-Gehäuse
Vertu verwendet je nach Modell Kalbsleder, Alligatorleder, Keramik, Titan, Saphirglas, vergoldete Bauteile oder andere aufwendige Materialien. Bei besonders exklusiven Ausführungen kommen Gold, Diamanten und individuell ausgewählte Lederarten hinzu.
Allerdings besteht nicht jedes Vertu-Handy automatisch aus massivem Gold und einem halben Juweliergeschäft. Viele aktuelle Einstiegsversionen setzen vor allem auf Leder, Metall und Keramik. Diamanten und Edelmetalle finden sich überwiegend bei Sonderausführungen und individuell konfigurierten Geräten.
Diese Materialien verändern Haptik, Gewicht und Erscheinungsbild. Die Rechner-App addiert deshalb zwar nicht genauer und Nachrichten werden auch nicht in 18 Karat verschickt, aber genau darum geht es bei einem Luxus-Handy nur am Rande.
Handarbeit, Kleinserien und Personalisierung
Normale Smartphones werden in sehr großen Stückzahlen produziert. Vertu arbeitet dagegen mit deutlich kleineren Serien, aufwendigeren Gehäusen und teilweise personalisierbaren Ausführungen.
Beim aktuellen Agent Q spricht der Hersteller beispielsweise von mehr als 320 einzeln montierten Komponenten, vergoldeten Bauteilen und einer aufwendigen SIM-Abdeckung mit mechanischem Flügelverschluss. Solche Konstruktionen kosten mehr Zeit als ein standardisiertes Gehäuse, das millionenfach nahezu identisch vom Band läuft.
Käufer können bei bestimmten Modellen außerdem Farben, Lederarten, Gravuren und weitere Details auswählen. Je ausgefallener die Konfiguration, desto weniger lässt sich das Gerät wie gewöhnliche Serienware produzieren.
Concierge-Service über den Ruby Key
Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Smartphone-Marken ist der Ruby Key. Die seitlich angebrachte Taste stellt je nach Gerät und gebuchtem Leistungsumfang den Kontakt zu digitalen Diensten oder einem persönlichen Concierge her.
Vertu bewirbt darüber unter anderem Unterstützung bei:
- Reiseplanung und Flugbuchungen
- Restaurantreservierungen
- Chauffeur- und Mietwagenservices
- Hotelbuchungen und besonderen Reiseleistungen
- Tickets, Veranstaltungen und exklusiven Terminen
- individuellen Lifestyle- und Geschäftsaufgaben
Der Concierge übernimmt die Organisation. Flugtickets, Hotelzimmer oder Konzertkarten werden dadurch selbstverständlich nicht automatisch kostenlos. Vor dem Kauf sollte deshalb geklärt werden, welche Leistungen beim ausgewählten Modell enthalten sind, wie lange der Zugang gilt und welche zusätzlichen Kosten entstehen können.
Status und Markenaufschlag gehören zum Preis
Ein Vertu-Handy wird nicht nach denselben Maßstäben kalkuliert wie ein gewöhnliches Android-Smartphone. Der Verkaufspreis enthält einen erheblichen Aufschlag für Marke, Seltenheit, Gestaltung und Außenwirkung.
Das Prinzip ähnelt einer Luxusuhr. Ihr Preis lässt sich ebenfalls nicht allein aus Metall, Glas und Uhrwerk zusammenrechnen. Ein Teil des Wertes entsteht dadurch, dass die Marke bekannt, das Produkt schwer erhältlich und für andere Menschen sofort erkennbar ist.
Wer ausschließlich die beste Kamera, den schnellsten Prozessor oder die längste Update-Zusage sucht, erhält bei anderen Herstellern mehr Technik für weniger Geld. Vertu richtet sich an Käufer, für die ein Smartphone gleichzeitig Accessoire, Statussymbol und persönliches Einzelstück sein soll.
Was kostet ein Vertu-Handy?
Die Preise unterscheiden sich stark nach Modell, Material und Konfiguration. Im offiziellen Vertu-Sortiment lagen die sichtbaren Einstiegspreise bei unserer Prüfung ungefähr in folgenden Bereichen:
Vertu-Modell | Geräteart | Ungefährer Einstiegspreis |
| Metavertu Max | Luxus-Smartphone | ab 2.999 US-Dollar |
| Quantum Flip | faltbares Klapphandy | ab 4.300 US-Dollar |
| Agent Q | AI-Smartphone | ab 5.380 US-Dollar |
| AlphaFold | großes Falt-Smartphone | ab 6.880 US-Dollar |
| AlphaFold mit besonderem Alligatorleder | Luxusausführung mit Alligatorleder | 21.200 US-Dollar |
Bei den ersten 4 Angaben handelt es sich um die niedrigsten zum Prüfzeitpunkt im Vertu-Shop ausgewiesenen Preise der jeweiligen Modellreihe. Der AlphaFold Himalaya Alligator ist eine konkrete Luxusausführung, die Vertu für 21.200 US-Dollar anbietet. Andere Lederarten, Gold, Diamanten und Personalisierungen können den Preis weiter erhöhen. Bei einer Bestellung nach Deutschland können zusätzlich Steuern, Einfuhrabgaben und Gebühren anfallen.
Historische Sondermodelle spielten in einer noch höheren Preisklasse. Das bekannte Vertu Signature Cobra wurde mit rund 310.000 US-Dollar gehandelt. Eine goldene Kobra mit zahlreichen Edelsteinen wand sich um das Gehäuse. Spätestens an diesem Punkt war die Frage nach dem passenden Mobilfunktarif vermutlich nicht mehr das größte Problem des Bankberaters.
Trotz solcher Preise stellte Vertu nicht automatisch das teuerste Handy der Welt her. Das Diamond Crypto Smartphone kostete 1,3 Millionen US-Dollar und übertraf selbst die bekanntesten Vertu-Sondereditionen deutlich.
Was bekommt man technisch für den hohen Preis?
Ältere Vertu-Handys waren technisch häufig bereits bei ihrer Veröffentlichung nicht auf dem Niveau der besten Konkurrenzmodelle. Bei den aktuellen Geräten fällt der Abstand kleiner aus.
Das Agent Q und das AlphaFold werden unter anderem mit einem leistungsstarken Snapdragon-Chip, 16 GB Arbeitsspeicher, 1 TB internem Speicher, 5G, Wi-Fi 7 und umfangreichen Kamerasystemen angeboten. Dazu kommen je nach Modell faltbare Displays, spezielle Sicherheitschips, getrennte Systembereiche und AI-Funktionen.
Vertu bewirbt außerdem verschlüsselte Kommunikation, geschützte Speicherbereiche und eine stärkere Kontrolle über persönliche Daten. Dabei handelt es sich zunächst um Angaben des Herstellers. Wer das Smartphone für besonders vertrauliche geschäftliche Kommunikation einsetzen möchte, sollte prüfen, welche Funktionen unabhängig zertifiziert wurden und wie lange Sicherheitsupdates bereitgestellt werden.
Genau hier liegt ein wichtiger Unterschied zwischen technischer Ausstattung und langfristigem Nutzen. Ein schneller Prozessor und 1 TB Speicher sehen auf dem Datenblatt gut aus. Für ein mehrere Tausend Euro teures Smartphone sind aber auch folgende Punkte wichtig:
- garantierte Dauer der Android- und Sicherheitsupdates
- Verfügbarkeit von Ersatzteilen
- Reparaturmöglichkeiten in Deutschland oder Europa
- Kompatibilität mit deutschen Mobilfunknetzen
- Unterstützung von Google-Diensten, Banking-Apps und eSIM
- langfristige Nutzbarkeit der Concierge- und Sicherheitsdienste
Eine ähnlich konkrete, mehrjährige Update-Zusage wie bei Samsung oder Google ist auf den öffentlich zugänglichen Vertu-Produktseiten nicht durchgängig zu erkennen. Bei einem gewöhnlichen Smartphone ist das ärgerlich. Bei einem Luxusgerät zum Preis eines Gebrauchtwagens sollte diese Frage vor der Bestellung geklärt werden.
Vertu-Handy kaufen: Neu, gebraucht oder als Sammlerstück?
Neue Vertu-Handys lassen sich über den internationalen Online-Shop der Marke bestellen. Vertu wirbt mit kostenlosem Standardversand und nennt für Europa eine Lieferzeit von ungefähr 7 bis 15 Werktagen.
Kostenloser Versand bedeutet jedoch nicht automatisch eine kostenlose Einfuhr. Vertu weist darauf hin, dass der Käufer bei internationalen Bestellungen als Importeur gilt und für Steuern, mögliche Zölle sowie Gebühren des Versanddienstleisters verantwortlich ist. Für Deutschland wird eine Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent genannt. Der kostenlose Versand könnte damit die preiswerteste Zeile auf der gesamten Rechnung bleiben.
Für das Hauptgerät und den Akku nennt Vertu eine Garantie von 12 Monaten. Für Lieferungen nach Europa weist der Hersteller außerdem auf ein 14-tägiges Rückgaberecht hin. Personalisierte Sonderanfertigungen können davon ausgenommen sein. Vor einer Bestellung sollte man die aktuellen Bedingungen deshalb speichern und sämtliche Zusagen schriftlich bestätigen lassen.
Gebrauchte Vertu-Handys gründlich prüfen
Auf eBay, spezialisierten Handelsplattformen und bei Sammlern werden zahlreiche ältere Vertu-Modelle angeboten. Ein Kauf über solche Plattformen ist nicht grundsätzlich unseriös. Das Risiko einer Fälschung, eines zusammengebauten Geräts oder einer unklaren Herkunft ist aber höher als bei einem aktuellen Modell aus dem offiziellen Shop.
Vor dem Kauf sollten mindestens diese Punkte geprüft werden:
- IMEI und Seriennummer am Gerät, auf der Verpackung und in den Unterlagen müssen übereinstimmen.
- Die Echtheit sollte über die offizielle Vertu-Prüfung kontrolliert werden.
- Originalrechnung, Garantiekarte, Zertifikate und vollständiges Zubehör erhöhen die Nachvollziehbarkeit.
- Leder, Tasten, Scharniere, Saphirglas und Edelmetalle müssen auf Beschädigungen untersucht werden.
- Reparaturen und ausgetauschte Teile sollten dokumentiert sein.
- Bei alten Geräten sind Akku, Ladegerät, Mobilfunkstandard und Softwareversion besonders wichtig.
- Concierge-Zugang und andere Dienste müssen nicht auf einen neuen Besitzer übertragbar sein.
Weitere Hinweise zu Seriennummer, Verpackung und auffälligen Angeboten findest du in unserem Ratgeber zum Thema Fake-Handy erkennen.
Ein altes Vertu kann äußerlich hervorragend erhalten sein und technisch trotzdem kaum noch sinnvoll funktionieren. Besonders Geräte mit veraltetem Android, abgeschalteten Mobilfunkstandards oder verschlissenem Akku eignen sich eher für die Vitrine als als zuverlässiges Haupttelefon.
Vertu-Handy als Wertanlage: Seltenheit ist wichtiger als der Neupreis
Die meisten Vertu-Handys sind keine verlässliche Wertanlage. Auch ein luxuriöses Smartphone bleibt ein elektronisches Gerät, dessen Akku altert, dessen Software veraltet und dessen Reparatur mit den Jahren schwieriger wird. Ein hoher Neupreis schützt nicht automatisch vor Wertverlust.
Eine britische Verkaufsübersicht für Vertu-Sammlermodelle aus dem Jahr 2019 zeigt das recht deutlich. Mehrere Signature-S-Modelle mit ursprünglichen Listenpreisen zwischen 10.500 und 19.500 britischen Pfund wurden später für 3.250 bis 4.000 Pfund angeboten. Das ist kein vollständiger Marktindex, widerlegt aber die Vorstellung, ein hoher Vertu-Neupreis bilde automatisch eine dauerhafte Untergrenze.
Sammlerpotenzial besitzen eher Geräte mit besonderen Eigenschaften:
Spricht eher für Sammlerwert | Spricht eher gegen eine Wertanlage |
| nummerierte oder extrem kleine Auflage | gewöhnliches Serienmodell |
| historische Bedeutung für die Marke | hauptsächlich veraltete Technik |
| seltene Kooperation oder Sonderedition | fehlende Dokumente und Zubehörteile |
| vollständiges Set mit Rechnung und Zertifikaten | beschädigtes Leder oder ausgetauschte Teile |
| unbenutzter oder außergewöhnlich guter Zustand | defekter Akku und unklare Reparaturhistorie |
| nachvollziehbare Verkaufspreise vergleichbarer Geräte | nur hohe Wunschpreise in Kleinanzeigen |
Besonders alte Signature-Modelle, nummerierte Editionen, Ferrari-Kooperationen oder Geräte mit dokumentierten Edelsteinen können für spezialisierte Sammler interessant sein. Der Markt ist allerdings klein. Zwischen einem hohen Angebotspreis und einem tatsächlich erzielten Verkaufspreis kann ein erheblicher Unterschied liegen.
Wer ein Vertu-Handy kaufen möchte, sollte den persönlichen Nutzen deshalb stärker gewichten als eine mögliche Rendite. Gefällt dir das Design, möchtest du das Gerät sammeln oder nutzt du die angebotenen Dienstleistungen, kann der Kauf nachvollziehbar sein. Als planbare Geldanlage taugt ein gewöhnliches Vertu-Smartphone dagegen kaum. Ein edler Lederbezug verwandelt einen alternden Akku schließlich noch nicht in eine Anleihe.