Zucker muss sich im Supermarkt gar nicht besonders anstrengen, um übersehen zu werden. Ein paar Getreideähren auf der Packung, ein Hinweis auf zugesetzte Vitamine und schon wirkt das Frühstück für die Kids deutlich vernünftiger, als es die Nährwerttabelle vermuten lässt. Bei Kellogg’s Smacks sind derzeit beispielsweise 34 Gramm Zucker pro 100 Gramm angegeben. Damit besteht mehr als ein Drittel des Produkts aus reinen Industriezucker.

Bei Getränken wird die Rechnung nicht angenehmer. Enthält ein gezuckerter Energy-Drink 13 Gramm Zucker pro 100 Milliliter, landen mit einer 500-Milliliter-Dose 65 Gramm im Körper. Die Dose wird mathematisch schließlich nicht kleiner, nur weil auf der Verpackung bevorzugt mit 100 Millilitern gerechnet wird. Cola, Eistee und andere Softdrinks können ähnlich üppig ausfallen.

Antizucker-Apps sollen solche Zuckerfallen schneller sichtbar machen. Nach einem Barcode-Scan zeigen CodeCheck, Yuka und Open Food Facts den Zuckergehalt, die Zutaten oder eine leicht verständliche Produktbewertung auf dem Smartphone an. Alle 3 Anwendungen verfolgen dabei einen anderen Ansatz.

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Bild: Antizucker-Apps auf dem Smartphone prüfen Lebensmittel per Barcode und machen versteckte Zuckerfallen sichtbar, etwa 65 Gramm Zucker in einer 500-Milliliter-Dose.

Warum Zuckerfallen beim Einkaufen so leicht übersehen werden​


Versteckter Zucker bedeutet nicht, dass Hersteller ihn vor der Lebensmittelkontrolle geheim halten dürfen. Bei verpackten Lebensmitteln steht der gesamte Zuckergehalt in der Nährwerttabelle unter davon Zucker. Beim schnellen Einkauf liegt das Problem eher an der Darstellung: Auf der Vorderseite werben Produkte mit Vollkorn, Früchten, Vitaminen oder weniger Süße, während die relevante Zahl klein auf der Rückseite wartet.

Auch die Zutatenliste macht es einem nicht immer leicht. Zucker kann dort unter zahlreichen Bezeichnungen auftauchen, darunter Glukosesirup, Fruktose, Dextrose, Maltodextrin, Süßmolkenpulver, Honig oder Fruchtsaftkonzentrat. Die Verbraucherzentrale weist zudem darauf hin, dass Aussagen wie natursüß oder Süße aus Früchten wenig über den tatsächlichen Zuckergehalt verraten.

Dabei müssen 2 Werte auseinandergehalten werden. Die Nährwerttabelle nennt den Gesamtzucker und erfasst damit auch natürlich vorkommenden Milch- oder Fruchtzucker. Ob Zucker zugesetzt wurde, zeigt erst die Zutatenliste. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, freie Zucker auf weniger als 10 Prozent der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen. Bei einer Ernährung mit 2.000 Kilokalorien entspricht das weniger als 50 Gramm am Tag; eine weitere Senkung auf höchstens 5 Prozent kann zusätzliche gesundheitliche Vorteile bringen. Zum freien Zucker zählen neben zugesetzten Zuckerarten auch Zucker aus Honig, Sirup und Fruchtsäften. Der Zucker in frischem Obst und Milch fällt nicht darunter.

Diese 3 Antizucker-Apps machen versteckten Zucker sichtbar​


1. CodeCheck erkennt versteckte Zuckerarten nach dem Barcode-Scan​


CodeCheck passt am direktesten zu einem klassischen Zucker-Scanner. Nach dem Erfassen des Barcodes öffnet die App eine Produktseite mit Zutaten, Nährwerten und einer Bewertung verschiedener Inhaltsstoffe. Dadurch wird nicht nur sichtbar, wie viele Gramm Zucker enthalten sind. Auch weniger auffällige süßende Zutaten lassen sich schneller in der Zutatenliste finden.

Das ist vor allem bei Produkten hilfreich, deren Aufmachung einen gesunden Eindruck vermittelt. Ein Müsli mit mehreren Siruparten kann auf den ersten Blick harmloser wirken, weil keine einzelne Zuckerzutat ganz vorne steht. CodeCheck bündelt die verfügbaren Angaben und warnt nach eigener Beschreibung ausdrücklich vor verstecktem oder zu hohem Zuckergehalt. Zusätzlich lassen sich persönliche Vorgaben für Inhaltsstoffe, Allergien und Unverträglichkeiten hinterlegen.

Die ausführliche Darstellung ist zugleich der größte Vorteil gegenüber einer einfachen Lebensmittelampel. Statt nur ein rotes oder grünes Ergebnis zu erhalten, kann man nachvollziehen, woher die Bewertung kommt. Das hilft auch dann, wenn zwei ähnliche Produkte fast gleich aussehen, aber deutlich unterschiedliche Zutatenlisten besitzen.

Eine Einschränkung hat die kostenlose Version allerdings: Momentan lassen sich nur fünf Produkte pro Woche scannen. Unbegrenzte Scans und sämtliche Inhaltsstoffinformationen gehören zu CodeCheck Plus. Für gelegentliche Kontrollen reicht die Gratisversion, für einen ausgedehnten Rundgang durch das Cornflakes-Regal wird das Kontingent schnell knapp.

Download: CodeCheck für Android | CodeCheck für iPhone

2. Yuka macht einen hohen Zuckergehalt sofort sichtbar​


Yuka setzt stärker auf Tempo und eine klare optische Bewertung. Nach dem Barcode-Scan vergibt die App für ein Lebensmittel bis zu 100 Punkte und ordnet das Ergebnis farblich von Grün bis Rot ein. Wer im Supermarkt zwei Müslis, Joghurts oder Getränke vergleichen möchte, erkennt dadurch sehr schnell, welches Produkt bei der Gesamtbewertung besser abschneidet.

Der Zuckergehalt fließt über die Nährwertqualität in das Ergebnis ein. Nach Angaben von Yuka macht diese 60 Prozent der Produktnote aus. Weitere 30 Prozent entfallen auf Zusatzstoffe und 10 Prozent auf den Bio-Anteil. Eine schwache Bewertung bedeutet deshalb nicht automatisch, dass allein der Zucker verantwortlich ist. Ebenso kann ein zuckerarmes Produkt wegen anderer Bestandteile Punkte verlieren.

Besonders praktisch sind die Alternativvorschläge. Bewertet Yuka ein Produkt schlecht, erscheinen ähnliche Lebensmittel mit einer besseren Note. So lässt sich direkt im selben Regal nach einer weniger zuckerreichen Variante suchen, ohne jede Packung einzeln zu studieren. Der Vergleich bleibt trotzdem eine Orientierungshilfe: Eine grüne Farbe macht aus einem stark verarbeiteten Snack noch kein Gemüse, und eine rote Bewertung verbietet ihn nicht automatisch.

Yuka eignet sich damit besonders für Leser, die keine lange Zutatenanalyse möchten, sondern innerhalb weniger Sekunden eine verständliche Einordnung suchen. Wer einzelne Zuckerarten oder die genaue Zusammensetzung prüfen will, findet bei CodeCheck oder Open Food Facts mehr Details.

Download: Yuka für Android | Yuka für iPhone

3. Open Food Facts zeigt Zuckerwerte ohne Scanlimit​


Open Food Facts wirkt weniger wie ein Ernährungscoach und mehr wie ein sehr gut gefüllter Aktenschrank mit Kamera. Das ist durchaus als Kompliment gemeint. Die App greift auf eine offene Datenbank mit mehr als vier Millionen Lebensmitteln zurück und zeigt nach dem Scan unter anderem Zucker, Kohlenhydrate, Fett, Eiweiß, Salz und Zutaten an.

Zusätzlich erscheinen der Nutri-Score und der NOVA-Verarbeitungsgrad, sofern die erforderlichen Produktdaten vorhanden sind. Dadurch lässt sich nicht nur der Zuckerwert pro 100 Gramm ablesen. Nutzer können auch ähnliche Lebensmittel innerhalb einer Kategorie vergleichen und sehen, wie stark ein Produkt verarbeitet ist.

Die App ist kostenlos, kann anonym verwendet werden und setzt kein wöchentliches Scanlimit. Open Food Facts eignet sich deshalb gut, wenn viele Produkte geprüft oder Zuckerwerte ohne Bezahlschranke verglichen werden sollen. Die Offenheit hat jedoch ihren Preis: Die Einträge werden gemeinschaftlich gepflegt. Fehlende Angaben, veraltete Rezepturen oder falsch übertragene Werte lassen sich daher nicht vollständig ausschließen.

Das Projekt warnt selbst davor, sich blind auf die Erkennung zu verlassen. Stimmt ein Eintrag nicht mit der Packung überein, gilt die aktuelle Nährwerttabelle auf dem Produkt. Nutzer können fehlende Lebensmittel fotografieren und zur Datenbank beitragen, was den Bestand erweitert, aber nicht jede Angabe automatisch fehlerfrei macht.

Download: Open Food Facts für Android | Open Food Facts für iPhone

Wie zuverlässig erkennen Antizucker-Apps versteckten Zucker?​


Ein Barcode ist kein kleines Lebensmittellabor. Er enthält normalerweise nicht die vollständige Rezeptur, sondern identifiziert das Produkt. Die App ruft anschließend die dazu gespeicherten Angaben aus ihrer Datenbank ab. Wurde eine Rezeptur geändert oder existieren mehrere Varianten mit ähnlicher Verpackung, kann der angezeigte Wert vom aktuellen Produkt abweichen.

Vor dem Kauf lohnt deshalb ein schneller Abgleich:

  • Stimmen Produktname, Sorte und Packungsgröße überein?
  • Bezieht sich der Zuckerwert auf 100 Gramm, 100 Milliliter oder eine Portion?
  • Wie viel enthält die gesamte Flasche, Dose oder tatsächlich gefüllte Müslischale?
  • Tauchen in der Zutatenliste Zucker, Sirup, Fruchtsaftkonzentrat oder andere Süßmacher auf?

Auch der Begriff zuckerfrei darf nicht mit ohne zugesetzten Zucker verwechselt werden. Zuckerfrei ist in der EU nur bei höchstens 0,5 Gramm Zucker pro 100 Gramm oder 100 Milliliter erlaubt. Ein Produkt ohne Zuckerzusatz kann dagegen von Natur aus Zucker enthalten. Umgekehrt können Süßstoffe für einen süßen Geschmack sorgen, obwohl in der Nährwerttabelle kaum Zucker auftaucht.

Die 3 Apps bewerten außerdem das Produkt und nicht die Menge, die später gegessen oder getrunken wird. Wer den Zuckerkonsum über einen ganzen Tag beobachten möchte, braucht zusätzlich ein Ernährungstagebuch. Dafür eignen sich beispielsweise Apps, mit denen sich Zucker und Kalorien über den Tag protokollieren lassen.

Antizucker-Apps machen Zuckerfallen im Supermarkt schneller sichtbar​


CodeCheck liefert die ausführlichste Analyse der Zutaten und trifft das Thema versteckter Zucker am genauesten. Yuka überzeugt mit einer schnellen, leicht verständlichen Bewertung und hilfreichen Alternativen. Open Food Facts bietet die meisten Freiheiten, wenn viele Lebensmittel kostenlos geprüft und Zuckerwerte transparent verglichen werden sollen.

Am sinnvollsten ist es, zunächst die Produkte zu scannen, die regelmäßig im Einkaufswagen landen. Schon der Vergleich von 2 Frühstückscerealien oder Softdrinks derselben Kategorie kann einen beträchtlichen Unterschied zeigen. Weichen App und Verpackung voneinander ab, hat die aktuelle Angabe auf dem Lebensmittel Vorrang. Der Barcode-Scan nimmt einem das Lesen also nicht vollständig ab, lenkt den Blick aber deutlich schneller an die richtige Stelle.