Ein Druck auf die orangefarbene Walkman-Taste genügte und aus dem Handy wurde ein Musikplayer. Mitte der 2000er musste man sich nicht mehr zwischen Mobiltelefon und MP3-Player entscheiden. Vorausgesetzt, die Musiksammlung passte auf den Memory Stick und das Datenkabel war gerade nicht spurlos verschwunden.

Sony Ericsson verband seine Handys mit einer der bekanntesten Audiomarken überhaupt. Modelle wie das W800i, W810i und W995 boten einen eigenen Walkman-Player, physische Musiktasten und je nach Generation Funktionen wie TrackID, SensMe oder Shake Control. Die Geräte waren allerdings keine Handys der 90er: Sony Ericsson entstand erst 2001, das erste Walkman-Handy folgte 2005.

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Bild: Das Sony Ericsson W995 zählt zu den bekanntesten Walkman-Handys der 2000er und vereinte MP3-Player, Musiktasten und 8,1-Megapixel-Kamera in einem Gerät.

Sony Ericsson Walkman-Handys starteten 2005 mit dem W800i​


Sony und Ericsson führten ihre Mobilfunksparten 2001 in einem gemeinsamen Unternehmen zusammen. Während Ericsson Erfahrung mit Mobiltelefonen einbrachte, besaß Sony mit Walkman eine Marke, die bereits fest mit tragbarer Musik verbunden war. Daraus entstand eine ziemlich naheliegende Idee: Warum weiterhin einen MP3-Player und ein Handy mitnehmen, wenn sich beides in einem Gerät vereinen lässt?

Das erste Walkman-Handy war das 2005 vorgestellte Sony Ericsson W800, das in Deutschland und vielen weiteren Märkten als W800i verkauft wurde. Das weiß-orangefarbene Tastenhandy kombinierte einen Walkman-Player mit einer 2-Megapixel-Kamera und einem Steckplatz für Memory Stick Pro Duo. Eine Speicherkarte mit 512 MB gehörte zum Lieferumfang. Aus heutiger Sicht klingt das überschaubar, damals fühlte es sich an, als könne man die halbe Musikgeschichte einpacken. Zumindest so lange, bis nach ungefähr 70 Songs der Speicher voll war.

Der Start verlief erfolgreich. Sony Ericsson meldete bereits für 2005 insgesamt 3 Millionen ausgelieferte Walkman-Handys. Neben dem W800 gehörten zu diesem frühen Sortiment unter anderem das W550, W600 und W900. Die Zahlen und den damaligen Modellstart dokumentierte Sony im Geschäftsbericht von Sony Ericsson für 2005.

Die orangefarbene Walkman-Taste wurde anschließend zum Erkennungszeichen einer ganzen Modellreihe. Wer sie drückte, gelangte ohne Umweg zum Musikplayer. Bei einigen Geräten ließ sich die Musikwiedergabe sogar starten, während der Mobilfunkteil ausgeschaltet blieb.

Warum Walkman-Handys in den 2000ern so beliebt waren​


Ein Walkman-Handy konnte nicht einfach nur MP3-Dateien abspielen. Musik stand bei Bedienung, Ausstattung und Vermarktung deutlich stärker im Mittelpunkt als bei gewöhnlichen Mobiltelefonen.

Dafür sorgten je nach Modell unterschiedliche Funktionen:

  • Ein eigener Walkman-Player verwaltete Titel, Interpreten, Alben und Wiedergabelisten.
  • Physische Tasten ermöglichten Start, Pause und Titelwechsel, ohne sich durch mehrere Menüs zu arbeiten.
  • Speicherkarten schufen Platz für eine größere Musiksammlung.
  • Passende Stereo-Kopfhörer oder Headset-Adapter lagen vielen Geräten bei.
  • TrackID erkannte Musik anhand einer kurzen Aufnahme.
  • SensMe sortierte Titel nach ihrer Stimmung.
  • Shake Control wechselte durch eine Bewegung des Handys zum nächsten Titel.
  • Spätere Modelle unterstützten Stereo-Kopfhörer und Lautsprecher über Bluetooth.

Die Musik kam per Datenkabel, Kartenleser oder Sony-Ericsson-Software auf das Gerät. Streaming spielte noch keine große Rolle. Wer seine Musiksammlung schlecht gepflegt hatte, lernte dabei auch die vermutlich produktivste Band jener Zeit kennen: Unknown Artist veröffentlichte offenbar mehrere hundert Songs in praktisch jedem Genre.

Zu den Stärken gehörte außerdem die große Auswahl an Bauformen. Sony Ericsson bot klassische Tastenhandys, flache Modelle, Slider und Klapphandys an. Dadurch sah nicht jedes Gerät wie eine leicht veränderte Version seines Vorgängers aus. Die Walkman-Reihe hatte eine erkennbare gemeinsame Identität, ließ den Entwicklern aber noch genügend Platz für Experimente.

Die wichtigsten Sony Ericsson Walkman-Handys im Überblick​


Sony Ericsson veröffentlichte über mehrere Jahre hinweg zahlreiche Walkman-Handys in unterschiedlichen Preis- und Ausstattungsklassen. Die folgende Auswahl zeigt die Modelle, die für die Entwicklung der Serie besonders wichtig waren.

Modell
Jahr
Bauform
Besondere Merkmale
Sony Ericsson W800i2005Tastenhandyerstes Walkman-Handy, 2-Megapixel-Kamera und Memory Stick Pro Duo
Sony Ericsson W810i2006Tastenhandyüberarbeiteter Klassiker mit Walkman-Player, EDGE und 2-Megapixel-Kamera
Sony Ericsson W580i2007Sliderbeleuchtete Gehäuseelemente, Schrittzähler und Fitnessfunktionen
Sony Ericsson W880i2007Tastenhandybesonders flaches Gehäuse und zurückhaltendes Metalldesign
Sony Ericsson W910i2007SliderWalkman Player 3.0, SensMe und Shake Control
Sony Ericsson W5952008SliderStereo-Lautsprecher und Anschluss für einen zweiten Kopfhörer
Sony Ericsson W980i2008Klapphandy8 GB interner Speicher und Musiksteuerung auf der Außenseite
Sony Ericsson W9952009Slider8,1-Megapixel-Kamera, WLAN, GPS und 3,5-mm-Kopfhöreranschluss

Die Tabelle ist keine vollständige Liste aller Walkman-Handys. Zur Reihe gehörten außerdem günstigere Geräte wie das W200i, Klappmodelle wie das W300i und W380i sowie technisch ungewöhnliche Varianten wie das W950i und W960i mit Touchscreen. Eine lückenlose Aufzählung würde schnell länger als manche damalige Wiedergabeliste, ohne dem Leser bei der Einordnung wesentlich zu helfen.

Welches Sony Ericsson Walkman-Handy war das beste?​


Das W810i ist für viele Fans der ausgewogenste Klassiker. Es behielt das handliche Format des W800i bei, wirkte mit seinem schwarzen Gehäuse zurückhaltender und bot einen gut bedienbaren Musikplayer, eine 2-Megapixel-Kamera sowie erweiterbaren Speicher. Wer ein typisches Sony Ericsson Walkman-Handy vor Augen hat, denkt häufig genau an dieses Modell.

Technisch lag das W995 vorn. Es verband den Walkman Player 4.0 mit einer 8,1-Megapixel-Kamera, WLAN, GPS, Stereo-Lautsprechern und einem normalen 3,5-mm-Kopfhöreranschluss. Frühere Modelle benötigten für viele Kopfhörer noch einen Adapter am proprietären FastPort-Anschluss. Das W995 war damit eines der vollständigsten klassischen Multimedia-Handys von Sony Ericsson.

Wie das W995 zur Veröffentlichung abschnitt, konnten wir damals selbst prüfen. In unserem Sony Ericsson W995 Testbericht überzeugten vor allem die hochwertige Verarbeitung, der Walkman Player 4.0, die mitgelieferte 8-GB-Speicherkarte und der 3,5-mm-Kopfhöreranschluss. Wir bewerteten das Gerät mit 5 von 6 Sternen. Kritik gab es unter anderem für die schlicht gehaltene Software, den vergleichsweise hohen SAR-Wert und die fehlende Kameraabdeckung.

Für eine historische Sammlung besitzt wiederum das W800i den größten Stellenwert. Es begründete die Serie und ist mit seinem weiß-orangefarbenen Gehäuse sofort als Walkman-Handy zu erkennen. Das beste Modell hängt deshalb davon ab, ob Technik, Design oder Bedeutung für die Baureihe im Vordergrund stehen.

Warum die Walkman-Serie verschwand​


Das iPhone und die ersten Android-Smartphones verdrängten Sony Ericssons Walkman-Handys nicht über Nacht. Der Markt veränderte sich jedoch innerhalb weniger Jahre grundlegend. Größere Touchscreens, App-Stores und mobile Internetverbindungen machten Smartphones zu universellen Geräten, auf denen Musik nur noch eine von vielen Funktionen war.

Gleichzeitig wurde Streaming immer wichtiger. Musik musste nicht mehr vorab auf eine Speicherkarte kopiert und in Wiedergabelisten einsortiert werden. Ein spezielles Musikhandy hatte dadurch weniger Vorteile gegenüber anderen Geräten. Auch physische Wiedergabetasten verloren an Bedeutung, weil sich die Steuerung zunehmend auf den Touchscreen und später auf kabellose Kopfhörer verlagerte.

Sony Ericsson versuchte, die Walkman-Marke in die Smartphone-Zeit mitzunehmen. Das 2011 vorgestellte Sony Ericsson W8 war das erste Walkman-Handy mit Android. Im selben Jahr erschien das Live with Walkman, ebenfalls mit Android und deutlich modernerer Smartphone-Ausstattung.

Zu diesem Zeitpunkt ließ sich ein Walkman-Smartphone allerdings kaum noch klar von anderen Android-Geräten unterscheiden. Die Musikfunktionen bestanden weiter, waren aber kein ausreichender Grund mehr für eine eigene Handyfamilie. 2012 übernahm Sony den Anteil von Ericsson vollständig und führte das Mobilfunkgeschäft als Sony Mobile Communications fort. Der Name Sony Ericsson verschwand, während Xperia zur zentralen Smartphone-Marke wurde.

Sony Ericsson Walkman-Handy heute kaufen und nutzen​


Gebrauchte Walkman-Handys werden weiterhin auf Kleinanzeigenportalen, Auktionsplattformen und bei spezialisierten Händlern angeboten. Als Sammlerstück oder Offline-Musikplayer können sie noch interessant sein. Als dauerhaftes Haupthandy eignen sich die meisten Modelle dagegen nur eingeschränkt.

Vor dem Kauf solltest du folgende Punkte prüfen:

  • Akku: Alte Originalakkus können stark an Kapazität verloren haben oder aufgebläht sein. Das Gerät sollte nicht nur starten, sondern auch einige Zeit ohne Ladegerät durchhalten.
  • FastPort-Anschluss: Viele Modelle verwenden Sonys proprietären Anschluss zum Laden, für die Datenübertragung und teilweise für Kopfhörer. Ein passendes Kabel oder Netzteil sollte vorhanden sein.
  • Speicherkarte: Frühe Geräte nutzen Memory Stick Pro Duo, spätere häufig Memory Stick Micro M2. Eine gewöhnliche microSD-Karte passt nicht.
  • SIM-Karte: Viele Walkman-Handys benötigen eine Mini-SIM. Für eine heutige Nano-SIM ist ein sauber passender Adapter erforderlich.
  • SIM-Lock: Geräte aus alten Mobilfunkverträgen können noch an einen bestimmten Anbieter gebunden sein.
  • Tastatur und Mechanik: Bei Slidern und Klapphandys sollten Display, Tasten und Verbindungskabel in jeder Position funktionieren.
  • Kopfhörer und Lautsprecher: Beide Audiowege testen, da verschmutzte Anschlüsse und gealterte Lautsprecher keine Seltenheit sind.
  • Datenübertragung: Alte Synchronisationsprogramme laufen auf modernen Computern nicht immer problemlos. Ein Kartenleser kann die einfachere Lösung sein.

Bei Angeboten mit der Beschreibung ungetestet, vermutlich nur der Akku leer ist Vorsicht angebracht. Das kann stimmen, ist aber gelegentlich auch die höfliche Umschreibung für eine elektronische Überraschungstüte.

Hinzu kommt die Mobilfunktechnik. Viele klassische Walkman-Handys telefonieren über GSM beziehungsweise 2G. Einige spätere Modelle unterstützen zusätzlich 3G, aber weder LTE-Telefonie noch 5G. Da die deutschen Netzbetreiber die Abschaltung ihrer 2G-Netze angekündigt haben, ist die Telefonfunktion nicht langfristig gesichert. Den aktuellen Stand führt die Bundesnetzagentur in ihrer Übersicht zur 2G-Abschaltung zusammen.

Zum Musikhören ohne Mobilfunknetz bleiben die Geräte grundsätzlich nutzbar. Du musst jedoch mit kleinen Speicherkarten, langsamer Datenübertragung und eingeschränkter Unterstützung moderner Audioformate leben. Für eine vorhandene MP3-Sammlung reicht das aus, mit heutigen Streamingdiensten können die klassischen Modelle dagegen nichts anfangen.

Warum Sony Ericsson Walkman-Handys bis heute Kult sind​


Sony Ericsson Walkman-Handys stehen für eine Phase, in der Hersteller noch sichtbar unterschiedliche Ideen verfolgten. Das W800i sah nicht aus wie das W980i, ein W580i fühlte sich anders an als ein W995. Trotzdem verband alle Modelle das orangefarbene Walkman-Logo und der klare Schwerpunkt auf Musik.

Heute sind die Geräte vor allem für Sammler, Technikfans und ehemalige Besitzer interessant. Wer ein gebrauchtes Modell kaufen möchte, sollte weniger auf vollmundige Seltenheitsversprechen und stärker auf Akku, Zubehör, Mechanik und Netzkompatibilität achten. Ein gut erhaltenes W800i, W810i oder W995 kann noch immer Freude machen, sollte aber eher als Stück Mobilfunkgeschichte denn als Ersatz für ein modernes Smartphone betrachtet werden.

Für eine Portion Nostalgie ohne alten Akku, FastPort-Kabel und widerspenstigen Memory Stick kannst du dir den klassischen Sony Ericsson Klingelton kostenlos für Android oder das iPhone herunterladen. Die orangefarbene Walkman-Taste ersetzt das zwar nicht, aber zumindest klingt das heutige Smartphone anschließend ein wenig nach 2006.