Ein Sky ECC Handy war kein eigenes Smartphone-Modell, sondern ein speziell umgebautes Mobiltelefon für den verschlüsselten Nachrichtendienst Sky ECC. Die kanadische Firma Sky Global installierte ihre Kommunikationssoftware auf Geräten verschiedener Hersteller und schränkte viele gewöhnliche Funktionen ein. Übrig blieb ein geschlossenes Krypto-Netzwerk, das seinen Nutzern besonders anonyme und abhörsichere Chats versprach.

Dieses Versprechen hielt nicht. Französische, belgische und niederländische Ermittlungsbehörden erhielten Zugriff auf einen großen Teil der Kommunikation und konnten Hunderte Millionen Nachrichten auswerten. Der Dienst wurde daraufhin abgeschaltet. Zurück blieb einer der spektakulärsten Fälle rund um verschlüsselte Smartphones und die Frage, wie sicher ein angeblich unknackbares System überhaupt sein kann.

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Bild: Das Sky ECC Handy ermöglichte verschlüsselte Kommunikation, bis Ermittler mit Unterstützung von Europol auf das Krypto-Netzwerk zugriffen.

Was war ein Sky ECC Handy?​


Hinter Sky ECC stand das kanadische Unternehmen Sky Global. Es verkaufte keinen bestimmten Smartphone-Typ, sondern stattete unter anderem Geräte von Apple, Google, BlackBerry und Nokia mit einer eigenen verschlüsselten Kommunikationsplattform aus.

Die umgebauten Handys sollten möglichst wenig verwertbare Spuren hinterlassen. Dafür wurden je nach Gerät Funktionen wie Kamera, Mikrofon und GPS deaktiviert. Gewöhnliche Telefonate waren ebenfalls nicht vorgesehen. Statt über eine normale Handynummer kommunizierten die Nutzer über persönliche Sky-IDs.

Ein Sky ECC Handy war damit nur noch bedingt ein klassisches Smartphone. Für Fotos, soziale Netzwerke und spontane Videoanrufe war es ungefähr so geeignet wie ein Taschenrechner im Flugmodus. Sein einziger Zweck bestand in der abgeschirmten Kommunikation mit anderen Teilnehmern des Sky-ECC-Netzwerks.

So funktionierte das Sky ECC Krypto-Handy​


Geschlossenes Netzwerk mit eigenen Sky-IDs​


Nachrichten konnten ausschließlich zwischen registrierten Sky-ECC-Nutzern ausgetauscht werden. Jeder Teilnehmer erhielt eine sechsstellige Sky-ID aus Buchstaben und Zahlen, die andere Nutzer als Kontakt speichern mussten. Eine Telefonnummer war für den Nachrichtenaustausch nicht erforderlich.

Die Kommunikation lief über eine eigene Infrastruktur mit Servern in Kanada und Frankreich. Chats, Gruppennachrichten, Sprachnachrichten, Bilder und Notizen wurden verschlüsselt übertragen. Damit unterschied sich Sky ECC deutlich von einer gewöhnlichen Messenger-App, die jeder schnell aus dem App Store oder Google Play Store installieren konnte.

Der Zugang war an ein kostenpflichtiges Abonnement gebunden. Ohne aktive Lizenz und Verbindung zum Sky-ECC-Netzwerk hatte die installierte Software kaum einen Nutzen.

Selbstlöschende Nachrichten und Panic-Passwort​


Sky ECC bot mehrere Funktionen, die gespeicherte Informationen möglichst schnell verschwinden lassen sollten:

  • Nachrichten konnten sich nach einer festgelegten Zeit automatisch löschen.
  • Ein Panic-Passwort entfernte die Daten auf dem Gerät.
  • Geräte ließen sich bei Verlust oder Beschlagnahmung aus der Ferne löschen.
  • Nicht zugestellte Nachrichten blieben nur für einen begrenzten Zeitraum verfügbar.
  • Die Kommunikation war auf das geschlossene Sky-ECC-Netzwerk beschränkt.

Diese Funktionen schützten nicht nur vor einem neugierigen Blick auf das Display. Sie sollten verhindern, dass sich nach einer Beschlagnahmung Kontakte, Nachrichten und andere Beweise auslesen ließen.

Hoher Preis für bewusst wenige Funktionen​


Je nach Land, Gerät und Vertragsdauer unterschieden sich die Kosten erheblich. Aus veröffentlichten Ermittlungsunterlagen und wissenschaftlichen Auswertungen gehen Preise von bis zu rund 2.200 Euro pro Jahr hervor. Teilweise wurden etwa 600 Euro für drei Monate verlangt. Hinzu kamen je nach Angebot die Kosten für das umgebaute Smartphone.

Die Kunden bezahlten also einen hohen Preis für ein Handy, das absichtlich weniger konnte. Bei normalen Smartphones wäre das eine schwierige Verkaufsstrategie gewesen. Bei Sky ECC galt der fehlende Funktionsumfang dagegen als Sicherheitsmerkmal.

Warum Sky ECC ins Visier der Ermittler geriet​


Französische und niederländische Behörden stießen bereits mehrere Jahre vor der Abschaltung auf Sky-ECC-Geräte, die bei Ermittlungen gegen organisierte Kriminalität beschlagnahmt worden waren. Auch belgische Ermittler fanden die Kryptohandys zunehmend in Verfahren rund um Drogenhandel und kriminelle Netzwerke.

Der Dienst war zu diesem Zeitpunkt längst kein kleines Nischenprojekt mehr. Nach Angaben von Eurojust nutzten weltweit ungefähr 170.000 Menschen Sky ECC. Rund drei Millionen Nachrichten wurden täglich über das Netzwerk verschickt. Mehr als 20 Prozent der Nutzer befanden sich in Belgien und den Niederlanden.

Eine verschlüsselte Kommunikation ist für sich genommen nicht verdächtig oder illegal. Bei Sky ECC fiel den Behörden jedoch auf, wie häufig die Geräte in umfangreichen Strafverfahren auftauchten. Die amerikanische Justiz warf Sky Global später außerdem vor, das System gezielt an kriminelle Organisationen vertrieben und deren Spuren durch Fernlöschungen beseitigt zu haben. Dabei handelte es sich zunächst um Anklagevorwürfe, nicht um eine pauschale Bewertung jedes einzelnen Nutzers.

Die Dimension des Netzwerks und die immer wieder beschlagnahmten Geräte führten schließlich zu einer gemeinsamen Untersuchung durch Frankreich, Belgien und die Niederlande.

Wie Ermittler Sky ECC entschlüsselten​


Der Zugriff begann bei den Servern​


Einfach den Verschlüsselungscode zu erraten, kam nicht infrage. Moderne elliptische Verschlüsselungsverfahren lassen sich nicht mal eben durch schnelles Tippen überwinden. Die Ermittler konzentrierten sich deshalb auf die Infrastruktur, über die Sky ECC seine Nachrichten transportierte.

Die europäischen Sky-ECC-Server befanden sich bei einem Hostinganbieter im französischen Roubaix. Französische Behörden erhielten eine richterliche Genehmigung, den Datenverkehr dieser Server aufzuzeichnen. Die zunächst abgefangenen Informationen waren größtenteils noch verschlüsselt, lieferten aber erste Hinweise auf den technischen Aufbau des Systems und die beteiligten Sky-IDs.

Frankreich, Belgien und die Niederlande gründeten anschließend ein gemeinsames Ermittlungsteam. Niederländische Techniker entwickelten eine Methode, den Arbeitsspeicher eines laufenden Servers zu kopieren, ohne ihn abschalten zu müssen. Zusätzlich kam eine Man-in-the-Middle-Technik zum Einsatz. Damit konnten sich die Ermittler zwischen Geräte und Server schalten und die für den Verbindungsaufbau benötigten Informationen abfangen.

Das bedeutete nicht, dass die zugrunde liegende Verschlüsselungsmathematik plötzlich wertlos geworden war. Angegriffen wurden die laufenden Verbindungen und die Infrastruktur, auf der das gesamte System beruhte. Selbst ein sehr stabiles Schloss hilft wenig, wenn jemand während des Aufschließens an den Schlüssel gelangt.

Nicht alle technischen Details wurden öffentlich bekannt. Gerichtsunterlagen und wissenschaftliche Untersuchungen beschreiben jedoch, dass eine gemeinsam entwickelte Entschlüsselungsmethode unter französischer richterlicher Genehmigung eingesetzt wurde.

Europol koordinierte die internationale Zusammenarbeit​


Der Zugriff wird häufig verkürzt als Europol-Hack bezeichnet. Tatsächlich führten französische, belgische und niederländische Behörden die technischen und strafrechtlichen Ermittlungen durch. Europol unterstützte sie unter anderem mit technischen, taktischen und finanziellen Mitteln. Eurojust kümmerte sich um die grenzüberschreitende juristische Zusammenarbeit.

Es saß also nicht ein einzelner Europol-Hacker nachts vor dem Bildschirm und drückte nach drei Tassen Kaffee auf Enter. Hinter der Operation standen jahrelange Ermittlungen, richterliche Genehmigungen und Spezialisten aus mehreren Ländern.

Ab Mitte Februar konnten die beteiligten Behörden den Informationsfluss von ungefähr 70.000 Nutzern überwachen. Am 9. März folgte ein koordinierter Aktionstag mit zahlreichen Durchsuchungen, Beschlagnahmungen und Festnahmen in Belgien und den Niederlanden. Eurojust beschreibt die internationale Sky-ECC-Operation und die Aufgaben der beteiligten Behörden ausführlicher.

Was nach dem Zugriff auf Sky ECC geschah​


Durch die Überwachung erhielten die Ermittler Zugriff auf Hunderte Millionen Nachrichten. Darin ging es unter anderem um Drogentransporte, Geldwäsche, Waffenhandel und geplante Gewalttaten. Laut Eurojust ließen sich Informationen zu mehr als hundert vorbereiteten größeren Straftaten gewinnen.

Die Daten lösten nicht nur die unmittelbaren Razzien aus. Sie bildeten auch die Grundlage für zahlreiche neue Ermittlungsverfahren in verschiedenen Ländern. Chatverläufe wurden mit Standorten, beschlagnahmten Geräten, Zeugenaussagen und weiteren Beweisen verknüpft, um die Personen hinter einzelnen Sky-IDs zu identifizieren.

Gleichzeitig entstand eine juristische Debatte über die massenhafte Überwachung. Der Zugriff erfasste nicht nur bereits bekannte Verdächtige, sondern grundsätzlich die Kommunikation eines großen Nutzerkreises. Gerichte mussten deshalb prüfen, unter welchen Bedingungen die Daten erhoben, weitergegeben und in Strafverfahren verwendet werden durften.

Der Besitz eines verschlüsselten Smartphones machte niemanden automatisch zum Straftäter. Relevant waren die übermittelten Inhalte und die damit verbundenen Handlungen. Wie einzelne Sky-ECC-Daten in einem konkreten Verfahren verwendet werden dürfen, entscheiden die zuständigen Gerichte.

Kann man ein Sky ECC Handy noch kaufen?​


Ein funktionsfähiges Sky ECC Handy lässt sich heute nicht mehr offiziell kaufen oder aktivieren. Der ursprüngliche Kommunikationsdienst wurde im März 2021 abgeschaltet. Ohne die dazugehörige Server-Infrastruktur und eine gültige Lizenz kann auch ein gebrauchtes Gerät keine Verbindung mehr zum ehemaligen Sky-ECC-Netzwerk herstellen.

Vereinzelt können noch umgebaute Smartphones als Sammlerstücke oder gebrauchte Geräte auftauchen. Technisch handelt es sich dann jedoch lediglich um alte Hardware mit einer nicht mehr nutzbaren oder entfernten Software. Ein Verkäufer kann den abgeschalteten Dienst nicht durch einen neuen Zugangscode wiederbeleben.

Auch einen offiziellen Sky ECC App Download gibt es nicht mehr. Apps und APK-Dateien mit ähnlichen Namen können zu völlig anderen Angeboten gehören oder absichtlich den bekannten Markennamen verwenden. Solche Dateien sollten nicht außerhalb eines offiziellen App-Stores installiert werden. Wer eine angebliche Sky-ECC-Lizenz, einen neuen Zugang oder eine Aktivierung verkauft, bietet keinen seriösen Nachfolger des eingestellten Dienstes an.

Europol führt Sky ECC inzwischen als offiziell abgeschaltete Kommunikationsplattform. Die gesicherten Nachrichten werden jedoch weiterhin für internationale Ermittlungen ausgewertet. Weitere Informationen dazu bietet die Seite zur Europol Operational Taskforce LIMIT.

Was vom Sky ECC Handy und dem Krypto-Netzwerk bleibt​


Der Fall Sky ECC zeigt, dass die Sicherheit einer Kommunikation nicht allein von einem starken Verschlüsselungsverfahren abhängt. Auch Server, Betriebssystem, Geräte, Zugänge, Softwareaktualisierungen und Betreiber gehören zum Gesamtsystem. Sobald Ermittler oder Angreifer an einer dieser Stellen Zugriff erhalten, kann eine mathematisch stabile Verschlüsselung umgangen werden.

Absolute Sicherheit sollte deshalb misstrauisch machen, sobald ein Anbieter sie ohne Einschränkung verspricht. Für private Kommunikation sind offizielle Apps mit nachvollziehbarer Verschlüsselung, regelmäßigen Sicherheitsprüfungen und transparenten Updates sinnvoller als ein geschlossenes System, das sich hauptsächlich auf Geheimhaltung verlässt.

Ein spezielles Kryptohandy ist dafür nicht notwendig. Mit einer sicheren Displaysperre, aktuellen Apps, sorgfältig vergebenen Berechtigungen und einem vertrauenswürdigen Messenger lässt sich bereits viel erreichen. Welche Funktionen du dafür kontrollieren solltest, zeigt unser Ratgeber zu den wichtigsten Einstellungen für mehr Datenschutz auf dem Handy.