Eine unbekannte Blüte am Wegesrand, ein merkwürdig geformtes Blatt im Garten oder ein Baum, dessen Name partout nicht einfallen will: Mit dem Smartphone lässt sich die Pflanzenbestimmung direkt vor Ort erledigen. Ein Foto genügt häufig, damit eine App die passende Art samt Steckbrief vorschlägt.

Ganz ohne botanisches Grundstudium klappt das mit Flora Incognita, Pl@ntNet und Seek by iNaturalist. Alle 3 Apps sind kostenlos für Android und iPhone erhältlich, verfolgen aber unterschiedliche Ansätze. Während eine Anwendung gezielt durch die Aufnahme führt, arbeitet die nächste mit mehreren Vergleichsfotos. Die dritte erkennt neben Pflanzen sogar Tiere und Pilze.

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Bild: Pflanzen und Bäume erkennen: Flora Incognita, Pl@ntNet und Seek bestimmen unbekannte Arten kostenlos per Foto auf Android und iPhone.

Pflanzen und Bäume kostenlos bestimmen: Diese 3 Apps helfen weiter​


Das Grundprinzip ist bei allen Anwendungen ähnlich: Kamera öffnen, Pflanze fotografieren und Ergebnis prüfen. Unterschiede gibt es vor allem bei der Bedienung, den erfassten Arten und der Frage, wie genau sich ein zweifelhafter Fund eingrenzen lässt.

1. Flora Incognita: Wildpflanzen ohne Abo bestimmen​


Flora Incognita wurde von der Technischen Universität Ilmenau und dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie entwickelt. Die App konzentriert sich auf Wildpflanzen und führt dich schrittweise durch die Aufnahme. Je nach Gewächs werden beispielsweise Fotos von Blüte, Blatt, Rinde oder der gesamten Pflanze benötigt.

Nach der Erkennung erscheint ein ausführlicher Steckbrief mit Merkmalen, Verbreitung, Schutzstatus und weiteren Informationen zur jeweiligen Art. Eigene Funde lassen sich in einer Beobachtungsliste speichern und später erneut aufrufen. Praktisch ist außerdem der Offline-Modus, den du vor einem Ausflug ohne zuverlässigen Mobilfunkempfang vorbereiten kannst.

Die App ist vollständig kostenlos und werbefrei. Es gibt weder ein Premiumabo noch gesperrte Zusatzfunktionen, die erst nach der Eingabe einer Kreditkartennummer plötzlich Photosynthese betreiben. Da Flora Incognita auf Wildpflanzen spezialisiert ist, können exotische Zimmerpflanzen und ausgefallene Züchtungen allerdings schwieriger zuzuordnen sein.

Weitere Eindrücke zur Bedienung findest du in unserem Beitrag über die Flora Incognita App zur Pflanzenbestimmung.

Download: Flora Incognita für Android bei Google Play | Flora Incognita für iPhone im App Store

2. Pl@ntNet: Mit mehreren Fotos zum genaueren Treffer​


Pl@ntNet behandelt die Pflanzenbestimmung eher wie Detektivarbeit. Statt aus einem einzigen Foto sofort ein endgültiges Urteil zu basteln, kannst du mehrere Aufnahmen derselben Pflanze hinzufügen. Dabei gibst du jeweils an, ob auf dem Bild ein Blatt, eine Blüte, eine Frucht, die Rinde oder ein anderer Pflanzenteil zu sehen ist.

Anschließend zeigt Pl@ntNet mehrere mögliche Arten in einer nach Wahrscheinlichkeit sortierten Liste. Die Vergleichsbilder helfen dabei, kleine Unterschiede bei Blattform, Blütenaufbau oder Früchten zu erkennen. Das ist besonders nützlich, wenn sich 2 Arten auf den ersten Blick ähnlich sehen.

Die Datenbank umfasst Zehntausende Pflanzenarten aus verschiedenen Regionen der Welt und wächst durch die Beobachtungen der Community weiter. Der Schwerpunkt liegt auch hier auf Wildpflanzen, allerdings erkennt Pl@ntNet ebenso zahlreiche Bäume, Gräser, Farne, Kakteen und Kulturpflanzen. Für Reisen oder Wanderungen lässt sich ein Offline-Modell herunterladen. Das sollte vor dem Aufbruch geschehen, denn im Funkloch lässt sich bekanntlich nicht einmal die beste Internetverbindung herbeireden.

Download: Pl@ntNet für Android bei Google Play | Pl@ntNet für iPhone im App Store

3. Seek by iNaturalist: Pflanzen direkt mit der Kamera entdecken​


Seek by iNaturalist setzt stärker auf die laufende Bilderkennung. Du richtest die Kamera auf eine Pflanze und beobachtest auf dem Display, wie die App den Fund zunächst einer groben Gruppe und anschließend einer Gattung oder Art zuordnet. Ein separates Foto ist erst nötig, wenn du die Beobachtung speichern möchtest.

Die Anwendung beschränkt sich nicht auf Blumen und Bäume. Sie erkennt auch Pilze, Insekten, Vögel und andere Tiere. Damit eignet sich Seek besonders für Spaziergänge und gemeinsame Entdeckungstouren mit Kindern. Abzeichen und wechselnde Beobachtungsaufgaben bringen einen spielerischen Anreiz hinein, ohne dass die Natur gleich zum nächsten Mobile Game umgebaut wird.

Für die Nutzung ist keine Registrierung notwendig. Die App ist kostenlos und enthält weder ein Abonnement noch eine kostenpflichtige Freischaltung. Bei schwierig zu unterscheidenden Pflanzen kommt Seek jedoch nicht immer bis zur exakten Art. Manchmal endet die Erkennung bei der Gattung oder Pflanzenfamilie. Für eine genaue Bestimmung sind Flora Incognita und Pl@ntNet deshalb häufig die stärkeren Werkzeuge.

Download: Seek by iNaturalist für Android bei Google Play | Seek by iNaturalist für iPhone im App Store

Pflanze richtig fotografieren: So steigt die Trefferquote​


Um eine Pflanze per App zu bestimmen, solltest du zuerst das gesamte Gewächs und danach einzelne Merkmale fotografieren. Je mehr brauchbare Details die Bilderkennung erhält, desto leichter kann sie ähnliche Arten voneinander unterscheiden.

Blumen, Kräuter und Zimmerpflanzen aufnehmen​


Bei kleineren Pflanzen sind Blüte und Blätter meistens die wichtigsten Erkennungsmerkmale. Für gute Ergebnisse helfen folgende Aufnahmen:

  • Fotografiere die Pflanze einmal vollständig, damit ihre Wuchsform erkennbar ist.
  • Nimm Blüte und Blätter zusätzlich aus der Nähe auf.
  • Zeige nach Möglichkeit die Ober- und Unterseite eines Blattes.
  • Fotografiere vorhandene Früchte, Samen, Stacheln oder auffällige Härchen.
  • Nutze Tageslicht und achte darauf, dass die Aufnahme scharf bleibt.
  • Lege ein einzelnes Blatt bei Bedarf auf einen ruhigen, einfarbigen Hintergrund.

Mehrere Pflanzen sollten nicht gleichzeitig das Bild füllen. Die App weiß sonst nicht, ob sie die Blume vorne, das Unkraut dahinter oder den dekorativen Gartenzwerg bestimmen soll.

Bäume am Blatt, an der Rinde und an Früchten erkennen​


Ein weit entferntes Foto der gesamten Baumkrone liefert oft nur eine große grüne Fläche mit etwas Himmel. Um einen Baum zu bestimmen, sind Nahaufnahmen einzelner Merkmale wesentlich hilfreicher.

Fotografiere ein vollständig erhaltenes Blatt möglichst von beiden Seiten. Ergänze anschließend Bilder von Rinde, Knospen, Blüten, Früchten oder Samen. Bei Nadelbäumen sollte zu sehen sein, ob die Nadeln einzeln, paarweise oder in Büscheln am Zweig wachsen.

Ein Foto des gesamten Baumes bleibt dennoch sinnvoll, weil Kronenform, Verzweigung und Wuchs zusätzliche Hinweise geben. Die genauesten Ergebnisse entstehen aus der Kombination mehrerer Aufnahmen und nicht aus einem heroischen Zoomversuch vom anderen Ende des Parks.

Wenn die Pflanzen-App mehrere Arten vorschlägt​


Der erste Treffer muss nicht automatisch richtig sein. Vergleiche die vorgeschlagenen Arten mit deiner Aufnahme und achte besonders auf Blattform, Blattrand, Anzahl der Blütenblätter, Rindenstruktur und Früchte. Auch Standort und Jahreszeit können einen Vorschlag bestätigen oder ausschließen.

Bei einem unsicheren Ergebnis helfen 3 Schritte:

  • Fotografiere ein weiteres Merkmal der Pflanze.
  • Vergleiche den Fund mit den Bildern und dem Steckbrief in der App.
  • Lasse dieselben Aufnahmen von einer zweiten Pflanzen-App prüfen.

Stimmen 2 voneinander unabhängige Anwendungen überein und passen die sichtbaren Merkmale, steigt die Wahrscheinlichkeit eines korrekten Ergebnisses. Bei essbaren, giftigen oder hautreizenden Pflanzen sollte die App-Bestimmung trotzdem nicht die einzige Grundlage sein. Ein überzeugend klingender Pflanzenname macht aus einem unbekannten Blatt noch keinen geeigneten Bestandteil für den Salat.

Pflanzen und Bäume per App erkennen gelingt mit guten Fotos​


Flora Incognita bietet eine geführte und vollständig kostenlose Bestimmung von Wildpflanzen. Pl@ntNet spielt seine Stärke aus, wenn mehrere Pflanzenteile fotografiert und mögliche Arten miteinander verglichen werden sollen. Seek by iNaturalist eignet sich für spontane Entdeckungen und erkennt neben Pflanzen auch Tiere und Pilze.

Für den ersten Versuch reicht eine der 3 Gratis-Apps aus. Bleibt das Ergebnis unklar, solltest du weitere Merkmale aufnehmen und den Fund mit einer zweiten Anwendung gegenprüfen. Mit einem scharfen Foto von Blatt, Blüte, Rinde oder Frucht wird das Smartphone so zum handlichen Naturführer, selbst wenn die eigenen Lateinkenntnisse bereits bei Aloe vera enden.