Manche Mobile Games behandeln das Hochformat wie einen Notausgang: technisch vorhanden, freiwillig benutzt es kaum jemand. Sobald Spielfigur, Inventar und ein halbes Dutzend Aktionstasten auf die schmale Fläche gequetscht werden, ist mit einer Hand schnell Schluss.

Für diese Liste reicht es deshalb nicht, dass sich das Bild irgendwie hochkant drehen lässt. Das eigentliche Spiel muss auf einem senkrechten Smartphone übersichtlich bleiben und seine zentralen Aktionen mit einem Daumen ermöglichen. Alle 10 Titel sind für Android und iPhone erhältlich. Eine senkrechte Startseite, ein optionaler Hochformat-Modus mit winzigen Symbolen oder eine Steuerung, für die ständig umgegriffen werden muss, zählt nicht.

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Bild: Handyspiele im Hochformat wie Super Mario Run nutzen den senkrechten Smartphone-Bildschirm optimal und lassen sich bequem mit nur einer Hand spielen.

Schnelle Hochformat-Games mit direkter Steuerung​


Bei den ersten 4 Spielen wird das lange Display selbst zur Strecke. Die Figuren bewegen sich nach oben oder automatisch vorwärts, während ein Daumen die Richtung vorgibt.

1. POINPY macht das ganze Display zur Sprungbahn​


POINPY wird nicht über Pfeile oder einen virtuellen Stick gelenkt. Du ziehst den Finger nach unten, bestimmst dabei den Absprungwinkel und lässt los. Die kleine grüne Figur schießt nach oben, prallt von Wänden ab und gewinnt durch Treffer auf Gegnern oder Töpfen weitere Sprünge in der Luft. Anfangs wirkt das ein wenig wie kontrolliertes Herumkullern. Nach einigen Runden lassen sich Früchte, Gegner und Landepunkt jedoch in einer einzigen Bewegung verbinden.

Die Früchte sind kein gewöhnlicher Sammelkram. Ein blaues Wesen am unteren Bildrand verlangt bestimmte Kombinationen, die erst beim Aufkommen zu Saft verarbeitet werden. Wer zu lange braucht oder die falschen Früchte erwischt, bekommt von unten zunehmend unfreundliche Gesellschaft. Genau deshalb passt POINPY so gut ins Hochformat: Das nächste Ziel liegt oben, der Verfolger unten und dazwischen bleibt genügend Platz, um die Flugkurve zu lesen. Selbst die wichtigsten Anzeigen sitzen außerhalb der Bahn, anstatt die Action mit Tasten zu verdecken.

Das ehemals über Netflix Games angebotene Spiel ist inzwischen kostenlos und ohne Werbung erhältlich. Pflichtkäufe gibt es nicht, lediglich ein freiwilliges Trinkgeld für den Entwickler. Die wenigen Menüs sind englisch, beim Spielen selbst werden kaum Sprachkenntnisse benötigt.

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2. Subway Surfers City gibt dem bekannten Wischen mehr Tiefe​


Subway Surfers City bleibt bei der bewährten Grundlage: Die Figur rennt von allein, während Wischbewegungen die Spur wechseln, Sprünge auslösen oder unter Hindernissen hindurchführen. Der Nachfolger besteht aber nicht mehr ausschließlich aus endlosen Läufen. In der City Tour warten abgeschlossene Abschnitte mit Aufgaben, versteckten Sternen und alternativen Wegen. Ein neuer Stampfer öffnet tiefer gelegene Bereiche, während Sprungpolster und Drohnen zusätzliche Routen über den Dächern erschließen. Das kostenlose Spiel enthält allerdings Werbung, In-App-Käufe und zahlreiche Verbesserungen für Figuren und Hoverboards.

Trotz dieser Ergänzungen bleibt die eigentliche Steuerung angenehm leer. Die 3 Spuren laufen im oberen Teil des Hochformat-Displays zusammen, kommende Hindernisse sind früh sichtbar und alle Bewegungen beginnen mit demselben Daumen. Große, klar belegte Touchflächen sind auch bei anderen mobilen Spieleangeboten wichtig. Das RoyalSea Casino lässt sich unterwegs ebenfalls per App oder Smartphone-Browser nutzen. Subway Surfers City treibt die Reduktion jedoch noch weiter: Auf dem Spielfeld ist kein einziger Richtungsknopf nötig.

3. Super Mario Run belohnt mehr als hektisches Tippen​


Super Mario Run scrollt seitlich und passt trotzdem hervorragend auf ein hochkant gehaltenes Handy. Mario läuft selbstständig und überspringt kleinere Hindernisse sogar ohne Hilfe. Der Spieler kümmert sich um den Zeitpunkt und die Dauer der Berührung: Daraus entstehen unterschiedlich hohe Sprünge, Drehungen und Abpraller an Wänden. Wer nur das Ziel erreichen möchte, kommt schnell hinein. Die pinken, violetten und schwarzen Münzen liegen bei späteren Durchgängen jedoch so, dass aus dem vermeintlich simplen Ein-Finger-Spiel eine präzise Routenaufgabe wird. Für besonders kurze Runden mischt Remix 10 jeweils 10 kleine Levelstücke zusammen. Ein Teil des Spiels kann kostenlos getestet werden, der restliche Umfang wird einmalig freigeschaltet. Weniger elegant als die Steuerung ist lediglich der Online-Zwang, der auch für Solorunden gilt.

4. Ordia funktioniert wie eine Schleuder mit Wänden​


Ordia reduziert ein Plattformspiel auf Ziehen, Zielen und Loslassen. Die einäugige Spielfigur haftet an sicheren Flächen und wird von dort zum nächsten Punkt katapultiert. Dazwischen liegen Stacheln, bewegliche Gegner und Passagen, in denen ein ungenauer Winkel sofort bestraft wird. Weil der kommende Abschnitt stets oberhalb der Figur liegt, zeigt das Hochformat genau den Bereich, der für den nächsten Sprung wichtig ist. Eine Symbolleiste würde hier nur Platz wegnehmen und fehlt folgerichtig.

Die 30 regulären Level sind nicht besonders lang, bekommen durch schwierigere Varianten und Bonusaufgaben aber einen zweiten Durchlauf. Ordia wird einmalig gekauft, ist auf Deutsch spielbar und verzichtet auf Werbung sowie zusätzliche Käufe. Damit eignet es sich eher für Spieler, die sauber entworfene Level mögen, als für die nächste endlose Fortschrittsmaschine.

Rätselspiele, die hochkant übersichtlich bleiben​


Die nächsten 3 Titel verlangen keine schnellen Reaktionen. Das senkrechte Display schafft stattdessen Platz für hohe Bauwerke, tiefe Schächte und klar getrennte Puzzle-Elemente.

5. Monument Valley 3 ist mehr Bilderbuch als Kopfnuss​


Monument Valley 3 möchte weniger den IQ prüfen als den Blick austricksen. Noor läuft über Treppen, Plattformen und Säulen, die aus einer anderen Perspektive plötzlich miteinander verbunden sind. Ein Bauteil wird gedreht, ein Weg verschoben und aus zwei unvereinbaren Ebenen entsteht eine begehbare Route. Der Schwierigkeitsgrad bleibt meist sanft; wer harte Logikrätsel erwartet, dürfte schneller am Ziel sein als erhofft.

Für das Hochformat ist diese Zurückhaltung ein Vorteil. Die hohen Bauwerke stehen fast vollständig auf dem Display, berührbare Griffe sind deutlich erkennbar und eine Hand reicht zum Antippen und Verschieben. Neu sind offenere Passagen mit einem kleinen Boot, das Noor zwischen den architektonischen Rätseln über das Wasser bringt. Die ersten 2 Kapitel können kostenlos gespielt werden, danach öffnet ein einmaliger Kauf die weitere Geschichte samt Erweiterung. Wer vor allem Atmosphäre, Musik und ungewöhnliche Bilder sucht, bekommt hier mehr als jemand, der an jedem Rätsel 20 Minuten knobeln möchte.

6. holedown schickt jede Fehlkalkulation auf Rundreise​


holedown sieht zunächst wie ein umgedrehtes Breakout aus, entwickelt aber schnell seine eigene kleine Wissenschaft. Am oberen Rand wird ein Winkel festgelegt, anschließend fliegt ein ganzer Schwarm Bälle in den Schacht. Jeder Block trägt eine Zahl, die seine nötigen Treffer angibt. Manche Blöcke hängen fest an der Wand, andere stürzen ab, sobald ihre Stütze verschwindet. Da pro Runde nur eine begrenzte Zahl an Schüssen zur Verfügung steht, ist ein enger Abprallkanal oft wertvoller als ein direkter Treffer. Der lange Blick nach unten macht die Flugwege im Hochformat gut planbar; bedient wird nur die Abschusslinie. holedown kostet einmalig, enthält 6 Planeten und später einen Endlosmodus. Die englische Oberfläche fällt kaum ins Gewicht, solange Begriffe wie Ball und noch mehr Bälle keine Übersetzung benötigen.

7. inbento ordnet Mittagessen mit erstaunlich viel Logik​


Bei inbento muss eine vorgegebene Anordnung aus Reis, Gemüse und weiteren Zutaten exakt nachgebaut werden. Anfangs werden einzelne Teile lediglich in eine Box gelegt. Später müssen ganze Gruppen gedreht, verschoben, überlagert oder in der richtigen Reihenfolge eingesetzt werden. Fehler lassen sich schrittweise zurücknehmen, Zeitdruck gibt es nicht. Das Bento-Feld bleibt in der Mitte des Hochformat-Displays groß genug, während Vorlage und verfügbare Teile sauber davon getrennt sind. Mehr als Tippen und Ziehen ist nicht erforderlich. Zwischen den über 120 Rätseln erzählt inbento ohne Dialoge vom gemeinsamen Leben einer Katzenmutter und ihres Kindes, weshalb der ungewöhnliche Rahmen mehr ist als bloße Dekoration. Das deutschsprachige Premium-Spiel enthält weder Werbung noch In-App-Käufe.

Abenteuer und Karten für eine Hand​


Hochkant muss nicht automatisch flach oder anspruchslos bedeuten. Die letzten 3 Spiele bringen Erkundung, Entscheidungen und taktische Kämpfe auf eine Oberfläche, die trotzdem nicht nach verkleinertem PC-Menü aussieht.

8. Afterplace versteckt ein komplettes Abenteuer hinter einfachen Gesten​


Afterplace ist der Gegenbeweis zur Vorstellung, ein Einhand-Spiel müsse nach 3 Minuten vorbei sein. Das kostenpflichtige Action-Adventure besitzt eine zusammenhängende Welt mit Dörfern, Höhlen, Figuren und Wegen, die leicht übersehen werden. Eine Karte mit blinkendem Zielpfeil gibt es bewusst nicht. Dadurch fühlt sich ein Fund tatsächlich entdeckt an, gelegentlich aber auch der dritte Besuch derselben Waldkreuzung.

Für die Bewegung wird der Finger irgendwo auf das Display gelegt und in die gewünschte Richtung gezogen. Gegner und Gegenstände können direkt angetippt werden; fest eingeblendete Angriffs-, Ausweich- und Interaktionstasten fehlen. Ein Daumen reicht für Erkundung und normale Kämpfe, ein zweiter kann bei schnelleren Begegnungen optional helfen. Die Steuerung passt sich daran an, statt einen bestimmten Griff vorzuschreiben.

Afterplace unterstützt inzwischen auch Querformat. Der Entwickler weist jedoch selbst darauf hin, dass die Darstellung dann auf Handys recht klein wird und sich eher für Tablets oder Fernseher eignet. Das Hochformat ist hier also nicht die platzsparende Notlösung, sondern die sinnvollere Smartphone-Ansicht. Einziger größerer Zugangshaken: Dialoge und Menüs sind englisch.

9. Reigns verwandelt Regierungskrisen in Wischgesten​


In Reigns erscheint jedes Anliegen als große Karte. Nach links wischen lehnt es ab, nach rechts wischen stimmt zu. Das klingt nach sehr wenig Spiel, bis dieselbe Entscheidung gleichzeitig Kirche, Bevölkerung, Armee und Staatskasse beeinflusst. Keiner dieser 4 Werte darf leer oder vollständig gefüllt werden. Zu wenig Geld beendet die Regentschaft ebenso zuverlässig wie zu viel Beliebtheit, weil sich dann eben jemand anderes bedroht fühlt. Das Hochformat passt perfekt zur einzelnen Karte und den 4 Anzeigen darüber; weitere Bedienelemente sind nicht nötig. Frühere Entscheidungen öffnen neue Ereignisse, Figuren und Todesarten, sodass mehrere kurze Regentschaften eine längere Geschichte bilden. Reigns ist ein deutschsprachiges Kaufspiel und eine der seltenen Strategien, bei denen ein Finger genügt, die politischen Folgen aber trotzdem beide Gehirnhälften beschäftigen.

10. Pokémon TCG Pocket verkleinert nicht nur die Karten​


Pokémon TCG Pocket stellt Sammelkarten naturgemäß hochkant dar und nutzt diese Form auch für den restlichen Spielablauf. Booster lassen sich mit einer Wischbewegung öffnen, Karten werden direkt in die Sammlung gezogen und im Kampf per Fingertipp ausgewählt. Das ist angenehm ruhig, aber nicht völlig frei von Menüs: Beim Sortieren großer Sammlungen und Bauen eigener Decks muss deutlich mehr navigiert werden als bei POINPY oder Reigns.

Für die eigentlichen Duelle wurde das bekannte Kartenspiel stark verdichtet. Ein Deck besteht aus 20 statt 60 Karten, Energie entsteht automatisch und 3 gewonnene Punkte beenden eine Partie. Dadurch bleiben Spielfeld und Handkarten auf dem schmalen Display lesbar, ohne dass relevante Informationen in Untermenüs verschwinden. Das Spiel ist kostenlos und deutschsprachig, benötigt jedoch eine Internetverbindung und arbeitet mit zufälligen Booster-Inhalten, optionalen Käufen sowie einem Premium-Pass. Wer nur 2 tägliche Packs öffnet und gelegentlich kämpft, kann den Geldbeutel trotzdem geschlossen lassen.

So bleibt das Spielen mit einer Hand bequem​


Eine gute Hochformat-Steuerung erspart unnötige Fingerakrobatik, doch auf großen Smartphones können längere Runden trotzdem anstrengend werden. Diese 3 Anpassungen helfen mehr als ein noch größeres Display:

  • Benachrichtigungen ausblenden: Ein Fokus- oder Spielmodus verhindert, dass eingehende Nachrichten den oberen Teil der Strecke verdecken. Gerade bei Runnern und vertikalen Plattformspielen liegt dort der nächste wichtige Abschnitt.
  • Steuerung auf den Daumen abstimmen: Bietet ein Spiel Einstellungen für Empfindlichkeit oder Linkshänder, lohnt sich eine kurze Anpassung. Der Daumen sollte nicht für jede Bewegung bis an den gegenüberliegenden Displayrand gestreckt werden müssen.
  • Das Smartphone abstützen: Eine griffige Hülle, ein Haltering oder eine schmale Handschlaufe entlastet den kleinen Finger. Bei längeren Partien ist eine Tischkante oder Armlehne oft bequemer, als das gesamte Gerätegewicht dauerhaft mit einer Hand zu tragen.

Handyspiele im Hochformat ohne unnötige Touch-Tasten​


POINPY nutzt die Höhe des Displays am konsequentesten und ist dank des kostenlosen, werbefreien Modells der beste Startpunkt. Monument Valley 3 und inbento eignen sich für ruhige Rätsel, während Afterplace deutlich mehr Zeit und Entdeckerdrang verlangt. Keines dieser Spiele versucht, eine Konsolensteuerung auf einen schmalen Bildschirm zu pressen. Genau das trennt ein gutes Hochformat-Game von einem Spiel, das lediglich nicht verhindert, dass das Smartphone senkrecht gehalten wird.

Wer lieber mit 2 Händen, Querformat und physischen Tasten spielt, findet in unseren Mobile Games mit Controller-Unterstützung passende Alternativen.