Ende 2019 tauchte plötzlich ein faltbares Smartphone auf, das schon beim ersten Lesen so klang, als hätte jemand eine Pressemitteilung mit einem schlechten Gangsterfilm verwechselt. Das Escobar Fold 1 wurde als günstiges Foldable für 349 Dollar beworben, versehen mit dem Namen von Pablo Escobar und begleitet von der Behauptung, man wolle Apple und Samsung ordentlich aufmischen. Für Schlagzeilen war das ein Selbstläufer. Für Misstrauen allerdings auch.

Interessant ist diese Geschichte heute nicht, weil das Escobar Fold 1 ein vergessenes Kult-Handy wäre oder weil es den Smartphone-Markt verändert hätte. Spannend ist sie, weil daraus Schritt für Schritt etwas völlig anderes wurde: erst eine bizarre Handy-Meldung, dann ein öffentlicher Scam-Verdacht und am Ende ein Fall für Ermittler und Gerichte. Auf All4Phones.de hatten wir schon 2019 über das vermeintliche Pablo-Escobar-Handy berichtet. Umso spannender ist heute die Frage, wie diese merkwürdige Smartphone-Story letztlich endete.

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Bild: Escobar Fold 1 mit Pablo Escobar auf dem Display: Das angebliche Falt-Handy wurde später zum Symbol für einen der skurrilsten Smartphone-Betrugsfälle der letzten Jahre.

Escobar Fold 1: Der Beginn einer ziemlich schrägen Smartphone-Story

Als das Escobar Fold 1 vorgestellt wurde, wirkte die Nummer auf den ersten Blick fast schon zu absurd, um komplett erfunden zu sein. Ein faltbares Android-Smartphone, aggressiv beworben, auffällig günstig und dazu noch mit einem Namen versehen, der garantiert für maximale Aufmerksamkeit sorgt. Das Gerät wurde von Escobar Inc. als Premium-Handy inszeniert, nur eben zu einem Preis, bei dem andere Hersteller vermutlich eher nervös den Taschenrechner als die Champagnerflasche gegriffen hätten.

Technisch war das Telefon auf dem Papier zunächst kein Fantasieprodukt. Es hatte ein großes flexibles Display, einen ordentlichen Chipsatz und die typischen Daten, mit denen man damals ein modernes Foldable vermarkten konnte. Der Haken war nur, dass schnell der Verdacht aufkam, hier sei gar kein eigenständiges Smartphone entwickelt worden. Stattdessen sah vieles danach aus, dass es sich eher um ein umgelabeltes Royole FlexPai handelte. Und genau da beginnt der Unterschied zwischen einem schrägen Technikprojekt und einer Geschichte, bei der man unwillkürlich fragt, wer hier eigentlich wen für dumm verkaufen möchte.

Damit war der Kern des Problems früh sichtbar. Das Escobar Fold 1 wirkte nicht wie ein mutiger neuer Angriff auf den Smartphone-Markt, sondern eher wie ein bereits existierendes Gerät mit neuer Verpackung, neuer Erzählung und möglichst viel Lärm drumherum. Das allein wäre noch keine Straftat. Es erklärte aber sehr schnell, warum aus anfänglicher Neugier rasch Skepsis wurde.

Warum das Angebot von Anfang an verdächtig wirkte

Ein günstiges Handy ist nichts Ungewöhnliches. Auch ein günstiges Falt-Handy wäre theoretisch kein Problem, wenn ein Hersteller Produktion, Entwicklung und Vertrieb im Griff hat. Genau danach sah es beim Escobar Fold 1 aber nicht aus. Der Preis war auffällig niedrig, die Eigenentwicklung fragwürdig und das Marketing so überdreht, dass es fast schon mehr über die Show als über das Produkt selbst aussagte.

Gerade 2019 waren Foldables noch eine teure, empfindliche und technisch anspruchsvolle Geräteklasse. Selbst große Marken hatten mit Scharnieren, Displays und Haltbarkeit zu kämpfen. Wenn dann ein völlig neues Unternehmen aus dem Nichts auftaucht und behauptet, man könne das Ganze praktisch nebenbei für einen Bruchteil des üblichen Preises erledigen, dann klingt das nicht nach einer stillen Revolution, sondern eher nach dem Moment, in dem jemand im Hintergrund das Nebelgerät auf volle Leistung gedreht hat.

Hinzu kam die gesamte Inszenierung. Der Name Escobar war kein Zufall, sondern die eigentliche Marketingmaschine. Das Produkt sollte nicht einfach ein Smartphone sein, sondern ein Ereignis. Genau das machte die Sache klickbar, aber eben auch verdächtig. Denn je mehr ein Gerät über Provokation verkauft wird, desto genauer schaut man am Ende darauf, was tatsächlich geliefert wird. Und genau dort begann das Kartenhaus langsam zu wackeln.

Als das Escobar Fold 2 alles noch absurder machte

Statt mit dem ersten Modell Ruhe in die Sache zu bringen, wurde es mit dem Escobar Fold 2 noch fragwürdiger. Das zweite Gerät sollte den Eindruck erwecken, dass hinter Escobar Inc. nun doch eine Art echte Smartphone-Offensive steckt. Tatsächlich wurde die Sache dadurch eher öffentlich zerlegt.

Denn schnell machte die Einschätzung die Runde, dass es sich beim Escobar Fold 2 im Kern schlicht um ein Samsung Galaxy Fold mit goldener Folie handelte. Das war der Punkt, an dem die Geschichte endgültig den Bereich skurriler Tech-News verließ und in Richtung handfester Blamage rutschte. Ein Gerät umzulabeln ist schon unangenehm genug. Ein ohnehin sehr bekanntes Premium-Modell notdürftig neu einzupacken und dann als eigenes Produkt zu verkaufen, ist in etwa so elegant wie ein Mietwagen mit aufgeklebtem Ferrari-Logo.

Besonders viel Aufmerksamkeit bekam die Sache durch bekannte Tech-Reviewer. Im Rückblick wurde immer wieder auf den Fall von Marques Brownlee verwiesen, der zunächst ein Gerät bestellt, aber nicht erhalten haben soll. Später tauchte dann ein anderes Modell auf, das sich als golden verkleidetes Samsung-Handy entpuppte. Spätestens ab da war die öffentliche Wirkung verheerend. Die Geschichte war nicht mehr nur schräg, sondern beschädigt.

Was die US Justiz dem CEO später vorwarf

Der entscheidende Punkt kam allerdings erst Jahre später. Denn das Escobar-Handy blieb nicht einfach als peinliche Smartphone-Episode zurück. Die US-Justiz zeichnete später ein deutlich größeres Bild. Im Zentrum stand Olof Kyros Gustafsson, der CEO von Escobar Inc. Nach Darstellung der Behörden lief über mehrere Jahre ein System, bei dem mit dem Namen Pablo Escobar und spektakulären Billigangeboten Aufmerksamkeit erzeugt und Käufer angelockt wurden, obwohl viele der beworbenen Produkte in der versprochenen Form gar nicht an Kunden ausgeliefert wurden.

Besonders aufschlussreich war die Beschreibung des Ablaufs. Einzelne Mustergeräte gingen an Influencer oder Reviewer, um Sichtbarkeit zu schaffen und die Geschichte in Umlauf zu bringen. Viele normale Käufer erhielten laut Ermittlern dagegen keine Smartphones, sondern lediglich Zertifikate, Bücher oder anderes Werbematerial. Das war perfide, weil damit ein Versandnachweis existierte, obwohl das eigentliche Produkt nicht angekommen war. Mit anderen Worten: Es wurde etwas verschickt, nur eben nicht das, wofür die Leute bezahlt hatten. Technisch war das nicht genial. Es war einfach nur dreist.

Hinzu kamen laut US-Behörden Vorwürfe rund um Betrug und Geldwäsche. Der Fall hatte damit eine ganz andere Dimension als bloß ein misslungenes Technikprojekt mit übertriebenem Marketing. Es ging eben nicht mehr nur um schlechte PR oder enttäuschte Käufer, sondern um ein Geschäftsmodell, das nach Ansicht der Ermittler auf Täuschung ausgelegt war.

Wie die Escobar Geschichte am Ende ausging

Aus dem Escobar Fold 1 wurde am Ende weder ein Kult-Handy noch ein unterschätzter Außenseiter auf dem Smartphone-Markt. Die Geschichte nahm eine ganz andere Richtung: Der damalige Escobar-Inc.-CEO Olof Kyros Gustafsson wurde aus Spanien in die USA ausgeliefert und bekannte sich dort im Jahr 2025 in mehreren Punkten wegen Betrugs und Geldwäsche schuldig. Nach Darstellung der Behörden sollen viele Käufer die beworbenen Produkte nie erhalten haben, obwohl sie dafür bezahlt hatten.

Damit bekam das vermeintliche Billig-Foldable rückblickend ein ziemlich eindeutiges Ende. Was 2019 noch wie eine schräge Mischung aus Foldable-Hype, großem Namen und aggressivem Marketing wirkte, landete nicht bei einem späten Technik-Erfolg, sondern bei Ermittlungen, Anklagen und einem Schuldbekenntnis. Ein endgültiges Strafmaß wurde in den zuletzt bekannten offiziellen Mitteilungen noch nicht eindeutig bestätigt.

Das Escobar Fold 1 ist damit weniger als Smartphone interessant, sondern vor allem als Beispiel dafür, wie aus viel Aufmerksamkeit und großen Versprechen am Ende eine Geschichte wird, die eher vor Gericht als im Technikregal endet.