Erst die Tastensperre lösen, dann noch eine Runde Snake: Wer ein Nokia 3310 hatte, kann sich daran vermutlich besser erinnern als an die technischen Daten seines letzten Smartphones. Die alten Nokia-Handys hatten Eigenheiten, die hängen blieben. Das galt für ein schlichtes Tastenhandy ebenso wie für die späteren Modelle mit Kamera und ausziehbarer Tastatur.

Besonders die Nokia-Handys der 2000er zeigen, wie schnell sich das Mobiltelefon damals veränderte. Einige bekannte Modellnamen sind inzwischen zurückgekehrt. Ein genauer Blick auf die Neuauflagen zeigt allerdings, wie viel sich hinter dem Nokia-Schriftzug verändert hat.

nokia-3310-n95-8gb-kult-handys.jpg

Bild: Das Nokia 3310 und das Nokia N95 8GB gehören zu den bekanntesten Nokia-Handys aller Zeiten und genießen bis heute Kultstatus.

Nokia 3310: Snake, Wechselcover und ein legendärer Ruf​


Nach Nokias eigenen Angaben wurden rund 125 Millionen Exemplare des 3310 verkauft. Das Ende 2000 erschienene Modell konzentrierte sich auf Telefonate und SMS. Mit der T9-Texterkennung ließen sich Nachrichten schreiben, ohne für jeden Buchstaben mehrfach dieselbe Taste drücken zu müssen. Das Display zeigte keine Farben, eine Kamera gab es nicht.

Seinen eigenen Geschmack konnte man trotzdem zeigen: Die Gehäuseschalen ließen sich austauschen, Klingeltöne ebenfalls. Auch der Akku war mit wenigen Handgriffen gewechselt. Ein zerkratztes Cover oder eine schwache Batterie bedeuteten also noch lange nicht das Ende des Handys.

Und dann war da Snake II. Die Regeln waren schnell verstanden, trotzdem konnte das Spiel ganze Busfahrten füllen. Das gelang ohne Konto, Saisonpass oder die freundliche Einladung, noch ein paar Edelsteine zu kaufen.

Nokia 8110: Der Filmtrick hinter dem Matrix-Handy​


Das gebogene Nokia 8110 stand bereits 1996 in den Läden, lange bevor es durch Matrix zum Filmstar wurde. Seine Abdeckung schützte die Tastatur und wurde zum Telefonieren nach unten geschoben. Die Krümmung des Gehäuses brachte ihm den Spitznamen Banana Phone ein.

Die auf Knopfdruck aufspringende Abdeckung gab es beim Serienmodell allerdings nicht. Für den Film wurde das 8110 entsprechend verändert. Beim Original musste man den Schieber selbst bewegen. Wer damit besonders lässig einen Anruf annehmen wollte, bekam also noch etwas Handarbeit dazu.

Nokia 6310i: Gebaut für lange Arbeitstage​


Mit dem 6310i brachte Nokia 2002 ein durchdachtes Telefon für die berufliche Nutzung auf den Markt. Seine Stärken kommen auf einem nostalgischen Produktfoto kaum zur Geltung. Sie halfen bei Dienstreisen, langen Gesprächen und der Verbindung mit Zubehör:

  • Bluetooth: Kompatible Headsets und Freisprecheinrichtungen ließen sich drahtlos verbinden.
  • Triband-GSM: Das 6310i unterstützte drei Mobilfunkfrequenzbänder und ließ sich dadurch auf vielen Auslandsreisen nutzen, sofern Netz und Vertrag mitspielten.
  • Lange Bereitschaftszeit: Nokia nannte bis zu 17 Tage Standby. Das war eine Herstellerangabe für den Bereitschaftsbetrieb; häufige Telefonate verkürzten die Laufzeit entsprechend.

Nokia 7650: Als die Kamera ins Nokia-Handy einzog​


Ein Foto aufnehmen und mit demselben Gerät verschicken: Als Nokia im Juni 2002 mit der Auslieferung des 7650 begann, war das noch eine Besonderheit. Für die Aufnahmen musste man das Gehäuse aufschieben. Dabei wurde neben der Tastatur auch das Kameraobjektiv auf der Rückseite freigelegt.

Die Bilder hatten eine Auflösung von 640 × 480 Pixeln. Das wirkt heute bescheiden, reichte aber für die Idee dahinter: einen Moment festhalten und direkt per MMS teilen, statt erst die Digitalkamera an den Computer anzuschließen. Wie teuer das Verschicken wurde, hing vom Mobilfunktarif ab.

Auf dem 7650 liefen Symbian und Nokias Series-60-Oberfläche; zusätzliche Programme ließen sich installieren. Es war also bereits ein Smartphone, obwohl man es mit Tasten bediente. Mit gerade einmal 4 MB Nutzerspeicher musste man bei Fotos und Software allerdings haushalten.

Nokia N95: Unser Favorit unter den Nokia-Klassikern​


Beim N95 ließ sich das Display in zwei Richtungen verschieben. Auf der einen Seite kamen die Zifferntasten zum Vorschein, auf der anderen separate Tasten für die Musikwiedergabe. Telefon und Musikplayer bekamen so jeweils ihre eigenen Bedienelemente.

Zum Verkaufsstart im März 2007 bot das N95 eine 5-Megapixel-Kamera mit Carl-Zeiss-Optik, WLAN und mobiles Internet. GPS und Nokia Maps brachten Karten und Standortbestimmung hinzu. Für die sprachgeführte Navigation musste man anfangs allerdings zusätzlich zahlen.

Auch bei Musik und Software bot das N95 einiges: Es hatte einen normalen 3,5-mm-Kopfhöreranschluss, nahm microSD-Karten auf und ließ sich um passende Symbian-Programme erweitern. Eine eigene Kamera und einen separaten MP3-Player konnte man dadurch bei vielen Gelegenheiten zu Hause lassen.

Für uns bei All4Phones.de ist das N95 das beste Nokia-Handy aller Zeiten. Wir geben ihm den Vorzug vor dem 3310, weil es damals schon so viele andere Geräte ersetzen konnte. Das macht es auch ohne Nostalgiebrille zu einem der spannendsten Modelle der Handygeschichte.

Das Nokia-Comeback besteht vor allem aus Neuauflagen​


Bekannte Nokia-Handys sind tatsächlich zurückgekehrt. Das 3310 bekam eine Neuauflage mit Farbdisplay, das 8110 wurde als 8110 4G wiederbelebt. Auch das 3210 erschien erneut als Tastenhandy mit 4G. Diese Geräte übernehmen bekannte Namen und einzelne Gestaltungsideen, sind technisch aber eigenständige Modelle. Wer ein altes 3310 kaufen möchte, sollte deshalb genau auf die angebotene Version achten.

Hinter den Neuauflagen steht HMD als Lizenznehmer der Marke Nokia. Nokia selbst existiert weiterhin und konzentriert sich auf Netzwerktechnik. Sein früheres Handygeschäft verkaufte das Unternehmen an Microsoft. Später brachte HMD sowohl Tastenhandys als auch Android-Smartphones unter dem Nokia-Namen heraus. Inzwischen verwendet HMD für Mobiltelefone zusätzlich seine eigene Marke.

Für uns ist das bisher vor allem eine Rückkehr vertrauter Klassiker. Die Retro-Handys können den Wunsch nach einem einfachen Telefon erfüllen. An die Rolle eines N95, das mit seiner Ausstattung neue Möglichkeiten eröffnete, knüpft ein bekanntes Gehäuse allein jedoch nicht an. Für ein Comeback an die Spitze des Handymarkts bräuchte es auch wieder solche technischen Impulse.

Bei den offiziellen Nokia-Tastenhandys von HMD findest du die jeweiligen Modelle und ihre Ausstattung. Prüfe dabei die konkrete Produktseite: Eine gelistete Neuauflage muss nicht mehr lieferbar sein. Auch 4G-Unterstützung sagt noch nichts darüber aus, welche Apps auf einem Gerät laufen.

Ein Stück Nokia-Kult fürs eigene Handy​


Ein altes Nokia kann als Sammlerstück oder zum Wiederentdecken früherer Technik Spaß machen. Vor einem Gebrauchtkauf solltest du Akku, Ladebuchse, Tasten und gegebenenfalls den Schiebemechanismus prüfen. Für Telefonate kommt die Netzfrage hinzu: Keines der fünf Originalgeräte unterstützt LTE. Erkundige dich daher bei deinem Anbieter, ob die benötigten älteren Mobilfunknetze noch verfügbar sind.

Wenn es dir vor allem um die Erinnerung geht, reicht vielleicht schon der vertraute Klang beim nächsten Anruf. Unsere originalen Nokia-Tune-Klingeltöne für Android und iPhone bringen ein Stück davon zurück. Den passenden Ladeadapter aus der Schublade zu suchen, bleibt dir damit immerhin erspart.