D2 Mannesmann steht für eine Mobilfunkzeit, in der Handys noch sichtbare Antennen besaßen, Gesprächsminuten einzeln abgerechnet wurden und eine Guthabenkarte an der Supermarktkasse als technische Errungenschaft durchging. Viele erinnern sich an das markante D2-Logo, an CallYa und an Mobiltelefone, die deutlich mehr Gehäuse als Display boten.

Hinter dieser Nostalgie steckt ein wichtiger Abschnitt deutscher Technikgeschichte. D2 privat nahm am 30. Juni 1992 das erste private Mobilfunknetz Deutschlands in Betrieb und startete damit einen Tag vor D1. Aus dem jungen Konkurrenten der Telekom wurde innerhalb weniger Jahre ein Mobilfunkriese. Nach der Übernahme von Mannesmann verschwand der Name D2 schließlich zugunsten von Vodafone.

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Bild: D2 Mannesmann prägte mit frühen GSM-Handys wie dem Motorola International 3200 die deutsche Mobilfunkgeschichte und ging später in Vodafone auf.

D2 privat bringt Mannesmann in den Mobilfunk​


Mannesmann war ursprünglich kein Telefonunternehmen. Der Düsseldorfer Konzern war vor allem mit Stahlrohren, Maschinenbau und Fahrzeugtechnik groß geworden. Ende der 1980er-Jahre öffnete sich der deutsche Telekommunikationsmarkt jedoch erstmals für einen privaten Netzbetreiber. Mannesmann stellte ein Konsortium zusammen, setzte sich gegen mehrere Mitbewerber durch und erhielt am 7. Dezember 1989 die Lizenz für das erste private Mobilfunknetz Deutschlands.

Im Januar 1990 wurde die Mannesmann Mobilfunk GmbH gegründet. Noch im selben Jahr gelang ein erstes GSM-Telefongespräch im neuen D2-Netz, 1991 begann der Probebetrieb in 15 Ballungsräumen. Der Schritt vom Stahlrohr zum Funkmast war für Mannesmann offenbar kleiner als gedacht. Andere Unternehmen erschließen einen neuen Geschäftsbereich, Mannesmann wechselte beinahe gleich die gesamte Identität.

Am 30. Juni 1992 startete der kommerzielle Betrieb unter der Marke D2 privat. Zu Beginn standen ungefähr 100 Mobilfunkstationen bereit. Das Netz arbeitete wie D1 mit dem europäischen GSM-Standard im 900-MHz-Bereich. Die Bezeichnung D2 unterschied das private Netz vom D1-Netz der damaligen Deutschen Bundespost Telekom.

Der Ausbau verlief schnell. Ende 1993 telefonierten bereits rund 500.000 Kunden im D2-Netz, das zu diesem Zeitpunkt etwa 88 Prozent der Fläche Deutschlands abdeckte. 1996 waren es 2 Millionen Kunden. Rund 7.700 Funkzellen versorgten nun ungefähr 99 Prozent der Bevölkerung.

War D2 oder D1 zuerst?​


Weder D2 noch D1 waren die ersten Mobilfunknetze Deutschlands. Bereits Jahrzehnte zuvor existierten das analoge A-Netz sowie später das B- und C-Netz. Diese Systeme waren teuer, boten nur begrenzte Kapazitäten und richteten sich vorwiegend an Geschäftsleute, Behörden und wohlhabende Autofahrer. Tragbare Geräte waren selten und häufig eher Koffer mit Telefonhörer als echte Handys.

D2 war jedoch das erste privat betriebene Mobilfunknetz und ging am 30. Juni 1992 kommerziell an den Start. D1 folgte offiziell am 1. Juli 1992. Der Vorsprung betrug damit gerade einmal einen Tag, reichte aber für den Platz in der Mobilfunkgeschichte. Eine ausführliche Beschreibung der vorherigen A-, B- und C-Netze bietet auch die Mobilfunkchronik der Deutschen Telekom.

Richtig ist also:

  • A-, B- und C-Netz brachten den Mobilfunk nach Deutschland.
  • D2 Mannesmann war der erste private Netzbetreiber.
  • D2 startete einen Tag vor dem digitalen D1-Netz.
  • Mit D1 und D2 begann der Wettbewerb im deutschen Mobilfunkmarkt.

Die ersten D2-Handys kosteten ein kleines Vermögen​


Die ersten D2-Handys hatten mit heutigen Smartphones wenig gemeinsam. Sie dienten fast ausschließlich zum Telefonieren, besaßen kleine monochrome Anzeigen und wogen teilweise mehr als 500 Gramm. Eine Akkuladung ermöglichte höchstens ungefähr 120 Minuten Gesprächszeit. Dafür mussten Käufer rund 3.000 D-Mark auf den Tisch legen.

Auch der Tarif verlangte finanzielle Aufmerksamkeit. Zum Netzstart kostete die monatliche Grundgebühr 78 D-Mark, ein Gespräch am Tag schlug mit 1,44 D-Mark pro Minute zu Buche. Wer eine Stunde telefonierte, gab also nicht nur Lebenszeit preis. Die historischen Preise und technischen Eckdaten nennt Vodafone in seinem Rückblick auf den Start des D2-Netzes.

Zu den bekanntesten frühen GSM-Handys gehörte das Motorola International 3200. Wegen seines langen, kantigen Gehäuses erhielt es schnell den Spitznamen Knochen. Das Gerät wurde 1992 für die neuen D-Netze angeboten und verkörperte die erste Generation tragbarer GSM-Telefone. In einer Jackentasche ließ es sich transportieren, sofern die Jacke mit dem zusätzlichen halben Kilogramm einverstanden war.

Vom Motorola-Knochen zu Nokia, Siemens und Sagem​


In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre wurden die Geräte kleiner, leichter und erschwinglicher. Nokia, Siemens, Motorola, Alcatel und Sagem lieferten zahlreiche Modelle, die zusammen mit D2-Verträgen oder später in Prepaid-Paketen verkauft wurden. Das Logo des Netzbetreibers erschien häufig auf dem Gehäuse, beim Einschalten oder in den Menüs.

Das Sagem MC 922 und das MC 939 sind typische Beispiele. Beide wurden in Varianten mit D2-Branding angeboten und verbanden monochrome Displays mit Telefonbuch, SMS und sichtbarer Antenne. Weitere Geräte dieser französischen Marke zeigt unser Rückblick auf alte Sagem-Handys der 90er und 2000er.

Auch das Alcatel One Touch Easy passte in diese Gerätegeneration. Sein einfaches Display, das farbige Gehäuse und die Stromversorgung über AAA-Batterien machten es besonders auffällig. Unsere Übersicht zu alten Alcatel-Handys und den One-Touch-Klassikern zeigt, wie schnell sich Mobiltelefone anschließend in Richtung WAP, Farbdisplay und Kamera entwickelten.

Damit veränderte sich auch die Zielgruppe. Anfangs war ein D2-Handy vor allem ein teures Arbeitsgerät. Wenige Jahre später gehörten Mobiltelefone zunehmend zu Jugendlichen, Familien und privaten Nutzern. SMS, günstigere Gerätepakete und neue Tarife beschleunigten diesen Wandel.

Aus D2 privat wird D2 Mannesmann​


Der Name D2 privat sollte zu Beginn hervorheben, dass erstmals ein privater Anbieter gegen das staatlich geprägte D1-Netz antrat. Das funktionierte, solange private Konkurrenz im deutschen Telekommunikationsmarkt noch neu war. Mit dem Erfolg des Netzes verlor dieser Zusatz jedoch seine ursprüngliche Bedeutung.

1999 änderte Mannesmann den Markennamen von D2 privat zu D2 Mannesmann. Dadurch rückte der Konzern stärker in den Vordergrund. Auf Handys, SIM-Karten, Vertragsunterlagen und Mobilfunkshops erschien nun das D2-Logo zusammen mit dem Namen Mannesmann.

Die Umbenennung fiel in eine Phase starken Wachstums. 1998 hatte das Netz bereits mehr als 5 Millionen Kunden. Gleichzeitig kamen die ersten WAP-Handys auf den Markt, mit denen sich stark vereinfachte Internetseiten aufrufen ließen. Von komfortablem mobilen Surfen konnte noch keine Rede sein, aber Wetterberichte und Nachrichten passten nun immerhin auf wenige Displayzeilen.

D2-Werbung machte das Handy persönlicher​


D2 begleitete den Netzausbau mit auffälliger Fernseh-, Plakat- und Printwerbung. Anfangs standen Netzabdeckung, Erreichbarkeit und günstigere Gesprächskosten im Mittelpunkt. Später wurde das Handy stärker als persönlicher Begleiter inszeniert. Mobilfunk sollte nicht länger nur für Geschäftsleute interessant sein, sondern für Freunde, Paare und Familien.

Diese Werbung prägte das Bild der Marke mindestens so stark wie technische Daten. D2 wurde als junge Alternative zur Telekom dargestellt, CallYa sprach zusätzlich eine preisbewusstere Zielgruppe an. Damit gelang Mannesmann etwas, das für den Mobilfunkboom der 1990er-Jahre besonders wichtig war: Das Handy verlor langsam den Ruf eines Luxusgeräts und wurde zu einem Produkt für breite Bevölkerungsschichten.

D2 CallYa bringt Prepaid ins D2-Netz​


1997 führte Mannesmann das Prepaid-Angebot CallYa ein. Im selben Jahr war auch D1 mit Xtra in diesen Markt gestartet. Mobilfunkkunden mussten nun keinen klassischen Laufzeitvertrag mehr abschließen, sondern konnten zunächst Guthaben kaufen und anschließend abtelefonieren.

Das Prinzip war leicht verständlich:

  1. CallYa-SIM-Karte kaufen und aktivieren
  2. Guthaben über eine Aufladekarte erwerben
  3. verdeckten Zahlencode freirubbeln
  4. Code über das Handy eingeben
  5. telefonieren, bis das Guthaben aufgebraucht war

CallYa machte die Kosten vorhersehbarer und senkte die Einstiegshürde. Vor allem Jugendliche, Eltern und Gelegenheitsnutzer konnten ein Handy verwenden, ohne sich langfristig zu binden. War das Guthaben leer, beendete die Technik jede finanzielle Diskussion mit bemerkenswerter Konsequenz. Das Handy wurde damit nebenbei zum strengsten Haushaltsberater der Familie.

Die D2-Mannesmann-Prepaid-Karte entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil der Marke. Starterpakete enthielten neben der SIM häufig ein Handy, Anfangsguthaben und eine eigene Rufnummer. Aufladekarten gab es in Mobilfunkshops, Elektronikmärkten, Tankstellen und Supermärkten. Der Name CallYa überstand später sogar das Ende von D2 Mannesmann und wird von Vodafone weiterhin für seine Prepaid-Angebote verwendet.

Vodafone übernimmt Mannesmann​


Während D2 in Deutschland wuchs, baute Mannesmann seine Telekommunikationssparte auch international aus. Zum Konzern gehörten Beteiligungen an Mobilfunk- und Festnetzanbietern in mehreren europäischen Ländern. Dadurch wurde Mannesmann für den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone besonders interessant.

Ende 1999 begann Vodafone mit einem zunächst feindlichen Übernahmeversuch. Mannesmann wehrte sich, doch nach einer mehrmonatigen Übernahmeschlacht einigten sich beide Seiten im Februar 2000. Das Geschäft wurde damals mit rund 180 Milliarden Euro bewertet und gehörte zu den größten Unternehmensübernahmen der Wirtschaftsgeschichte.

Für Vodafone war D2 ein zentraler Teil des Pakets. Das deutsche Mobilfunkgeschäft war profitabel, besaß Millionen Kunden und verfügte über ein weit ausgebautes Netz. Andere Industrie- und Unternehmensteile von Mannesmann wurden nach der Übernahme verkauft oder neu geordnet. Die Mobilfunksparte ging dagegen im Vodafone-Konzern auf.

Wann wurde aus D2 Mannesmann Vodafone?​


Der Markenwechsel erfolgte nicht an einem einzigen Tag. Vodafone führte seinen Namen schrittweise ein, damit die bekannte D2-Marke nicht plötzlich aus Shops, Werbung und Kundenunterlagen verschwand. Zeitweise wurde deshalb die Übergangsbezeichnung D2 Vodafone verwendet.

2002 war der Wechsel abgeschlossen. Aus D2 wurde Vodafone, die Mannesmann Mobilfunk GmbH firmierte anschließend als Vodafone D2 GmbH. Das bekannte rote Vodafone-Logo ersetzte den bisherigen Markenauftritt.

Jahr
Entwicklung
1989Mannesmann erhält die erste private Mobilfunklizenz
1990Gründung der Mannesmann Mobilfunk GmbH
1992D2 privat startet den kommerziellen Netzbetrieb
1997D2 führt CallYa als Prepaid-Angebot ein
1999Aus D2 privat wird D2 Mannesmann
2000Vodafone übernimmt Mannesmann
2002Die Marke D2 wechselt vollständig zu Vodafone

D2 Mannesmann lebt in Vodafone und CallYa weiter​


Der Name D2 Mannesmann ist aus der Werbung und von den Mobilfunkshops verschwunden, seine wichtigsten Bestandteile existieren jedoch weiter. Das frühere D2-Netz bildet den historischen Ursprung des heutigen Vodafone-Mobilfunknetzes in Deutschland. CallYa wird noch immer als Vodafone-Prepaid-Marke angeboten.

Umgangssprachlich ist gelegentlich weiterhin vom D2-Netz die Rede. Technisch bezeichnete D2 ursprünglich das GSM-Netz von Mannesmann im 900-MHz-Bereich. Das heutige Vodafone-Netz nutzt dagegen mehrere Mobilfunkgenerationen und Frequenzbereiche. D2 ist daher keine aktuelle technische Netzbezeichnung mehr, sondern vor allem ein sprachliches Überbleibsel aus den 1990er-Jahren.

Auch alte D2-Handys, SIM-Karten, Guthabenkarten und Werbeschilder erinnern an diese Zeit. Ein D2-Logo macht das betreffende Mobiltelefon allerdings nicht zu einem Gerät von Mannesmann. Der Netzbetreiber verkaufte Modelle anderer Hersteller in eigenen Ausführungen, teilweise mit angepasstem Gehäuse, Startbild oder SIM-Lock.

D2 Mannesmann erfand den deutschen Mobilfunk nicht. Der Anbieter brachte jedoch erstmals privatwirtschaftlichen Wettbewerb in den Markt und beschleunigte den Weg vom teuren Autotelefon zum bezahlbaren Handy. Ausgerechnet ein Konzern, der mit Stahlrohren groß geworden war, half damit, Deutschland drahtloser zu machen.