Wer einen Gebrauchtwagen kauft, muss sich häufig auf Angaben wie „unfallfrei“, „scheckheftgepflegt“ oder „nur Langstrecke gefahren“ verlassen. Ob das Fahrzeug tatsächlich so gut behandelt wurde, lässt sich bei einer kurzen Besichtigung jedoch kaum feststellen.

carVertical verspricht mehr Klarheit: Nach Eingabe der Fahrzeug-Identifikationsnummer, kurz FIN oder VIN, erstellt der Dienst einen Bericht zur bisherigen Fahrzeughistorie. Wir haben carVertical auf Android und iPhone mit mehreren Fahrzeugen getestet. Dabei zeigte sich, dass die Abfrage durchaus nützliche Informationen liefern kann – bei einem unserer Testfahrzeuge fanden wir allerdings auch einen deutlichen Fehler.

Unsere CarVertical App Erfahrungen – lohnt sich die Abfrage oder gibt’s bessere Alternativen.jpg

Bild 1: Die carVertical App im Einsatz: Fahrzeughistorie per VIN-Abfrage prüfen und versteckte Mängel vor dem Gebrauchtwagenkauf aufdecken.

Was prüft carVertical anhand der FIN?​


carVertical erstellt Fahrzeughistorien aus Informationen, die bei externen Stellen gespeichert wurden. Nach aktuellen Angaben des Anbieters werden dafür mehr als 1.000 Datenquellen aus über 40 Ländern durchsucht. Dazu gehören unter anderem staatliche Register, technische Prüfstellen, Werkstätten, Versicherungen, Finanzinstitute und Datenbanken von Strafverfolgungsbehörden.

Je nach Fahrzeug und verfügbarer Datenlage kann ein carVertical-Bericht folgende Informationen enthalten:

  • dokumentierte Unfälle und Schäden
  • gespeicherte Kilometerstände
  • Hinweise auf mögliche Tachomanipulationen
  • gemeldete Diebstähle
  • frühere Zulassungen und Besitzerwechsel
  • historische Fahrzeugbilder
  • technische Daten und Ausstattung
  • frühere Nutzung als Mietwagen, Taxi oder Flottenfahrzeug
  • Marktwertschätzungen und Rückrufaktionen

Wichtig ist das Wort „kann“: Nicht jeder Bericht enthält alle diese Bereiche. Wurde ein Unfall nie einer Versicherung, Werkstatt oder Behörde gemeldet, kann er auch nicht im Bericht erscheinen. carVertical sammelt vorhandene Datensätze, untersucht das Auto aber selbstverständlich nicht selbst.

Unsere carVertical Erfahrungen im Praxistest​


Wir haben die carVertical App auf Android und iOS ausprobiert und mehrere Fahrzeug-Identifikationsnummern abgefragt. Die Bedienung ist unkompliziert: Die FIN kann von Hand eingegeben oder direkt an der Windschutzscheibe gescannt werden.

Der Scan funktionierte bei uns innerhalb weniger Sekunden. Anschließend dauerte es ungefähr 1–2 Minuten, bis der vollständige Bericht bereitstand. Aktuell gibt carVertical selbst eine Erstellungszeit von rund 40–60 Sekunden an.

Besonders hilfreich fanden wir die chronologische Darstellung der gespeicherten Kilometerstände. Dadurch lassen sich ungewöhnliche Sprünge oder rückläufige Werte schnell erkennen. Auch dokumentierte Schäden werden übersichtlich dargestellt – teilweise einschließlich Schadensbereich, geschätzter Reparaturkosten und vorhandener Bilder.

Bei importierten Gebrauchtwagen kann die internationale Suche einen zusätzlichen Vorteil bieten. Ein Fahrzeug, das erst seit kurzer Zeit in Deutschland zugelassen ist, kann bereits in einem anderen Land Schäden, auffällige Kilometerstände oder mehrere Besitzerwechsel gehabt haben.

Fehlerhafte Fahrzeugdaten bei unserem Audi S6​


Unser Test verlief allerdings nicht vollständig fehlerfrei. Bei einem Audi S6 zeigte carVertical teilweise Daten des normalen Audi A6 an. Davon waren unter anderem technische Angaben und die angezeigten Marktpreise betroffen.

Das ist bei einem Fahrzeug, dessen Wert und Ausstattung deutlich von der Basisversion abweichen, mehr als nur ein kleiner Schönheitsfehler. Die historischen Einträge waren dadurch nicht automatisch unbrauchbar, die Fahrzeug- und Preisbewertung musste aber mit Vorsicht betrachtet werden.

Ob ähnliche Probleme auch bei anderen leistungsstarken Modellvarianten auftreten, können wir ohne weitere Tests nicht beurteilen. Unser Ergebnis zeigt jedoch, dass man zunächst prüfen sollte, ob Modell, Motorisierung, Baujahr und Ausstattung im Bericht tatsächlich zum Fahrzeug passen.

Bedienung und Support​


In der App wurde der fertige Bericht bei unserem Test zunächst recht klein dargestellt. Erst mit der Zoom-Geste ließ sich der Inhalt angenehm lesen. Das ist kein schwerwiegender Fehler, auf einem Smartphone aber unnötig umständlich.

Positiv fiel der Kundensupport auf. Auf unsere Nachfrage zu den abweichenden Fahrzeugdaten erhielten wir schnell eine hilfreiche Antwort. Der Kontakt verlief erfreulich unkompliziert und nicht wie eine endlose Unterhaltung mit einem Bot, der einem zum 3. Mal denselben Hilfeartikel schickt.

Wie zuverlässig ist ein carVertical-Bericht?​


Ein carVertical-Bericht ist immer nur so vollständig wie die zugrunde liegenden Datenbanken. Sind Kilometerstände, Schäden oder Besitzerwechsel dort gespeichert, können sie in der Abfrage auftauchen. Wurde ein Ereignis nicht erfasst oder ist die betreffende Datenbank nicht zugänglich, bleibt es unsichtbar.

Ein Bericht ohne Schadenseintrag beweist deshalb nicht, dass ein Fahrzeug unfallfrei ist. Er bedeutet lediglich, dass in den durchsuchten Quellen kein entsprechender Datensatz gefunden wurde. Auch carVertical weist darauf hin, dass Umfang und Genauigkeit je nach Fahrzeug und Land unterschiedlich ausfallen können.

Der Bericht eignet sich daher besonders als Vorprüfung. Auffällige Fahrzeuge können bereits vor einer langen Anfahrt aussortiert werden. Bei einem weiterhin interessanten Gebrauchtwagen sollten anschließend trotzdem folgende Punkte geprüft werden:

  • FIN am Fahrzeug mit den Fahrzeugpapieren vergleichen
  • Serviceheft, HU-Berichte und Werkstattrechnungen ansehen
  • Fahrzeug bei Tageslicht besichtigen
  • Probefahrt durchführen
  • bei höherem Kaufpreis einen unabhängigen Gebrauchtwagencheck machen lassen

Auch der ADAC empfiehlt vor dem Kauf, das Fahrzeug zu besichtigen, Probe zu fahren und die vorhandenen Unterlagen sorgfältig zu kontrollieren. Ein Onlinebericht ersetzt diese Prüfung nicht.

Was kostet carVertical?​


Die carVertical App lässt sich kostenlos installieren. Für einen vollständigen Bericht zur Fahrzeughistorie wird jedoch ein kostenpflichtiges Guthaben benötigt.

Bei unserem Test im Oktober 2025 wurden uns folgende Preise angezeigt:

  • 1 Fahrzeugbericht: 29,98 €
  • 2 Fahrzeugberichte: 39,97 €
  • 3 Fahrzeugberichte: 53,96 €

Preise, Pakete und Rabattaktionen können sich verändern. Vor dem Kauf sollte deshalb direkt bei carVertical geprüft werden, welches Angebot aktuell angezeigt wird.

Wer mehrere Gebrauchtwagen miteinander vergleicht, zahlt mit einem Paket pro Bericht gewöhnlich weniger. Ungenutzte Berichte bleiben laut Anbieter 6 Monate gültig.

Der erstellte Onlinebericht kann 30 Tage im carVertical-Konto geöffnet werden. Wer ihn länger aufbewahren möchte, sollte ihn rechtzeitig als PDF herunterladen.

Kann man carVertical kostenlos nutzen?​


Eine vollständige carVertical-Abfrage ist nicht kostenlos. Es gibt allerdings einen kostenlosen FIN-Decoder, der grundlegende Fahrzeugdaten anzeigen kann. Dazu gehören je nach FIN beispielsweise Hersteller, Modell, Baujahr und technische Eigenschaften.

Schäden, Kilometerstände, historische Bilder und weitere Ereignisse werden erst im kostenpflichtigen Fahrzeugbericht freigeschaltet.

Enthält ein gekaufter Bericht überhaupt keine historischen Daten zu Kilometerständen, Schäden oder Verwaltungsereignissen, schreibt carVertical den verbrauchten Bericht nach eigenen Angaben automatisch wieder gut. Dieses Guthaben kann anschließend für ein anderes Fahrzeug verwendet werden und bleibt 6 Monate ab dem ursprünglichen Kaufdatum gültig.

Wann lohnt sich carVertical?​


Am ehesten lohnt sich die Abfrage bei einem höherpreisigen Gebrauchtwagen, einem Importfahrzeug oder einem Angebot mit unvollständigen Unterlagen. Schon ein dokumentierter Vorschaden oder ein unplausibler Kilometerstand kann den Kaufpreis deutlich beeinflussen.

Sinnvoll kann carVertical sein, wenn:

  • das Fahrzeug aus dem Ausland importiert wurde
  • Serviceheft oder Rechnungen Lücken aufweisen
  • die Angaben des Verkäufers widersprüchlich wirken
  • der Kaufpreis hoch genug ist, um eine zusätzliche Prüfung zu rechtfertigen
  • mehrere Fahrzeuge vor einer Besichtigung aussortiert werden sollen

Weniger attraktiv ist die Abfrage bei sehr günstigen oder alten Fahrzeugen, zu denen kaum digitale Datensätze existieren. Hier kann der Preis des Berichts im Verhältnis zum Fahrzeugwert zu hoch sein.

Unsere Erfahrung zeigt außerdem: Werden ein spezielles Sportmodell, eine seltene Ausstattungsvariante oder ein umgebautes Fahrzeug geprüft, sollten die technischen Angaben besonders genau kontrolliert werden.

Welche Alternativen zu carVertical gibt es?​


Zu den bekanntesten kostenpflichtigen Alternativen gehören autoDNA und CARFAX. Beide erstellen ebenfalls Fahrzeughistorien anhand der FIN. Welche Plattform den ausführlicheren Bericht liefert, kann vom Herkunftsland und den vorhandenen Datensätzen des jeweiligen Fahrzeugs abhängen.

autoDNA konzentriert sich unter anderem auf Daten aus Europa, den USA und Kanada. Vor dem Kauf wird angezeigt, welche Bereiche für die eingegebene FIN grundsätzlich verfügbar sind.

CARFAX bietet inzwischen ebenfalls Fahrzeugberichte für den deutschen Markt an. Geprüft werden können unter anderem Schäden, Kilometerstände, Importe, Wartungsinformationen und technische Fahrzeugdaten.

Ein kostenloser Dienst, der für deutsche und internationale Fahrzeuge denselben Umfang wie ein kostenpflichtiger Historienbericht liefert, ist uns nicht bekannt. Kostenlose FIN-Decoder zeigen überwiegend Basisdaten. Hinzu kommen einzelne kostenlose Prüfungen, beispielsweise auf einen Importstatus oder offene Rückrufaktionen.

Die beste kostenlose Alternative besteht deshalb aus mehreren Quellen:

  • HU-Berichte und Werkstattrechnungen vom Verkäufer verlangen
  • digitales oder gedrucktes Serviceheft prüfen
  • FIN in Papieren und am Fahrzeug vergleichen
  • Rückrufaktionen beim Hersteller kontrollieren
  • Fahrzeugwert über unabhängige Preisübersichten einschätzen

Bei einem teuren Gebrauchtwagen ist ein technischer Check durch eine Werkstatt, den ADAC, TÜV oder eine andere Prüforganisation meist wichtiger als ein zweiter Onlinebericht.

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Bild 2: Der Scan einer VIN funktioniert mit der carVertical App blitzschnell und der vollständige Bericht über die Auto-Historie ist in ca. 1-2 Minuten geladen.

Unser Fazit zu carVertical​


carVertical kann vor dem Gebrauchtwagenkauf wertvolle Hinweise liefern. In unserem Test funktionierten der FIN-Scan und die Erstellung des Berichts schnell. Kilometerstände, dokumentierte Schäden und internationale Einträge wurden übersichtlich aufbereitet.

Der Fehler bei unserem Audi S6 zeigt jedoch, dass auch ein professionell wirkender Fahrzeugbericht nicht ungeprüft übernommen werden sollte. Technische Daten, Modellvariante und Marktwert müssen mit dem tatsächlichen Fahrzeug übereinstimmen.

Für einen höherpreisigen Gebrauchtwagen oder ein Importfahrzeug würden wir carVertical als zusätzliche Vorprüfung nutzen. Der Bericht kann helfen, problematische Angebote frühzeitig auszusortieren oder offene Fragen für die Besichtigung zu sammeln. Er ist aber weder ein Gutachten noch ein Beweis für Unfallfreiheit und ersetzt keinen technischen Gebrauchtwagencheck.

Unterm Strich ist carVertical ein nützlicher Filter – aber keine Röntgenbrille für Autos.

carVertical App herunterladen​


Die carVertical App ist kostenlos für Android und iPhone erhältlich. Bezahlt wird erst für die vollständigen Fahrzeugberichte.