Die Preise der Deutschen Bahn sind manchmal so hoch, dass man fast glaubt, man bucht gleich den ganzen Zug inklusive Schaffner statt nur einen Sitzplatz. Genau hier kommt die Better Bahn App von Lukas Weihrauch ins Spiel, die aktuell für ordentlich Gesprächsstoff sorgt. Sie verspricht, Bahntickets um bis zu 84 % günstiger zu machen – und zwar mit einem Trick, der so simpel ist, dass man sich fragt, warum niemand früher darauf gekommen ist. Doch bevor du dich schon freust, für den Preis eines Coffee-to-go von München nach Hamburg zu fahren, lohnt sich ein genauerer Blick: Wie funktioniert das Ganze, wo sind die Risiken und warum dürfte die Deutsche Bahn von dieser Idee alles andere als begeistert sein?

Funktionsweise der Better Bahn App

Die Better Bahn App ist ein Open-Source-Projekt von Entwickler Lukas Weihrauch. Sie ist kein offizielles Bahn-Produkt und daher auch nicht in den üblichen App-Stores zu finden. Stattdessen liegt der Quellcode öffentlich auf GitHub – technisch versierte Nutzer können sie dort herunterladen und selbst installieren.

Das Herzstück der App ist das sogenannte Split-Ticketing. Dabei wird eine Verbindung nicht als durchgehendes Ticket gebucht, sondern in Teilstrecken zerlegt. Der Clou: Einzelne Abschnitte sind oft deutlich günstiger als ein einziges Ticket für die gesamte Strecke. Genau diesen Effekt macht sich die Better Bahn App zunutze und sucht automatisch nach den günstigsten Kombinationen.

Better Bahn App Wie du Bahntickets bis zu 84 % günstiger bekommst.jpg

Bild: Better Bahn App: Mit Split-Ticketing Bahntickets bis zu 84 % günstiger kaufen.

Wie schafft die Better Bahn App bis zu 84 % Rabatt?

Das Zauberwort lautet: Teilstrecken.

Anstatt eine durchgehende Fahrkarte von A nach B zu kaufen, schaut die App, ob die Verbindung günstiger wird, wenn man zwischendrin virtuelle Stopps einbaut und die Tickets einzeln kauft. Klingt verrückt, funktioniert aber erstaunlich oft, weil das Preissystem der Bahn alles andere als logisch ist.

Ein Beispiel: Für ein Deutsche Bahn Ticket auf der Strecke von Magdeburg nach Oldenburg verlangte die Bahn rund 85,90 Euro. Aufgeteilt in zwei Tickets – Magdeburg nach Bremen (12,99 €) und Bremen nach Oldenburg (mit Regionaltarif deutlich günstiger oder sogar per Deutschlandticket abgedeckt) – zahlte man im Test nur 12,99 Euro. Das sind über 80 % Ersparnis.

Allerdings: Der Entwickler selbst weist darauf hin, dass Split-Ticketing keine Wunderlösung für jede Strecke ist. Oft lassen sich nur ein paar Euro sparen, manchmal aber auch deutlich mehr. Die App soll vor allem die Verbindungen sichtbar machen, bei denen es sich wirklich lohnt.

Besonders günstig sind aktuell Strecken wie Magdeburg – Oldenburg, Freiberg (Sachs) – Nordenham oder Berlin – Dresden. Hier entstehen durch clevere Ticket-Aufteilung besonders große Unterschiede im Preis.

Wo gibt es die Better Bahn App zum Download?

Hier die schlechte Nachricht: Offiziell gibt es die Better Bahn App aktuell nicht in den großen Stores von Google oder Apple.

Der offizielle Quellcode ist jedoch hier zu finden: Better Bahn App auf GitHub

Kurz: Eine bequeme „Einfach herunterladen und losfahren“-Lösung gibt es derzeit nicht – wer die App nutzen möchte, braucht technisches Know-how.

Risiken und Kritik: Warum die Deutsche Bahn nicht begeistert ist

So schön das klingt: Es gibt auch einen Haken.

  • Keine durchgehenden Fahrgastrechte: Wenn du Teilstrecken einzeln buchst und dein erster Zug Verspätung hat, kann es passieren, dass du den Anschluss verpasst – und dein zweites Ticket ungültig wird. Mit einem durchgehenden Ticket wärst du besser abgesichert.
  • Grauzone für die Deutsche Bahn: Die App nutzt Daten und Logiken, die der Bahn nicht gefallen dürften. Wenn zu viele Kunden den Trick nutzen, könnte die Bahn ihre Schnittstellen sperren oder rechtliche Schritte prüfen.
  • Ungewisse Zukunft: Auch wenn die App clever ist, könnte sie genauso schnell wieder verschwinden, wie sie aufgetaucht ist – wenn die Bahn ihr Geschäftsmodell bedroht sieht.

Der Entwickler selbst betont deshalb, dass die Nutzung „auf eigene Gefahr“ erfolgt – und man sich vor der Fahrt gut über Risiken informieren sollte.

YouTube-Video: Entwickler erklärt die Better Bahn App

Wer sich die App lieber direkt vom Macher selbst erklären lassen möchte, findet auf YouTube ein Video von Lukas Weihrauch, in dem er den Split-Ticketing-Trick vorstellt und zeigt, wie die Better Bahn App funktioniert.


Better Bahn App: Clever sparen, aber mit Risiken

Die Better Bahn App zeigt eindrucksvoll, wie viel Sparpotenzial im chaotischen Tarifsystem der Deutschen Bahn steckt. Wer den Split-Ticketing-Trick nutzt, kann teils enorme Rabatte erzielen – vorausgesetzt, man bringt etwas technisches Verständnis und Flexibilität mit.

Ganz ohne Haken ist das Ganze jedoch nicht: Die App ist nicht offiziell, könnte jederzeit von der Bahn ausgebremst werden und bietet keine Absicherung bei Verspätungen. Für Sparfüchse ist sie trotzdem einen Blick wert – und wer zusätzlich beim Fliegen sparen möchte, sollte sich unseren Ratgeber zum Google Flights Trick anschauen. So wird aus der nächsten Reise, egal ob auf Schienen oder in der Luft, ein echtes Schnäppchen.