Wer Ende der 90er oder Anfang der 2000er ein günstiges Mobiltelefon suchte, kam an Sagem kaum vorbei. Die französische Marke war zwar nie so dominant wie Nokia oder Siemens, tauchte aber regelmäßig in Prepaid-Paketen, Mobilfunkläden und den Jackentaschen erstaunlich vieler Nutzer auf.

Besonders leicht zu erkennen waren die frühen Sagem-Handys an ihren großen Tasten, monochromen Displays und Antennen, die dem Gerät eine gewisse Funkgeräte-Autorität verliehen. Später folgten Farbdisplays, Klappgehäuse, Kameras und sogar ein Smartphone mit Windows Mobile. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Sagem-Modelle aus den 90ern und 2000ern und hilft dabei, ein altes Gerät genauer einzuordnen.

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Bild: Alte Sagem-Handys aus den 90er- und 2000er-Jahren: Das Sagem myX-6 gehörte zu den markanten Modellen mit Farbdisplay, Kamera und klassischer Tastatur.

Alte Sagem-Handys im Überblick: Modelle und Baujahre​


Sagem brachte über viele Jahre zahlreiche Gerätevarianten auf den Markt. Einige unterschieden sich nur durch den Mobilfunkanbieter, die Gehäusefarbe oder einen zusätzlichen Buchstaben im Namen. Deshalb können Baujahr und Ausstattung je nach Ausführung leicht abweichen.

Sagem-Modell
Baujahr
Bauform
Besonderheit
Sagem RC 8151998Klassisches HandyAusziehbare Antenne
Sagem MC 922ca. 1999Klassisches HandyKompakteres Gehäuse
Sagem MC 9391999/2000Handy mit TastenklappeSpätere Version auch mit WAP
Sagem MW 9302000Klassisches HandyWAP-Zugang und Dualband
Sagem myX-52002Klassisches HandyFarbdisplay und GPRS
Sagem myX-62003Kamera-HandyIntegrierte VGA-Kamera
Sagem myC-22003KlapphandyKompaktes Farbdisplay
Sagem myS-72004SmartphoneWindows Mobile

Die genaue Modellbezeichnung steht bei den meisten alten Sagem-Handys auf dem Aufkleber unter dem Akku. Dort finden sich häufig außerdem die Typennummer und die IMEI. Die Aufschrift auf der Vorderseite reicht nicht immer aus, weil Netzbetreiber eigene Namen und Gehäusevarianten verwendeten.

Sagem-Handys der 90er mit Antenne und Monochrom-Display​


Die ersten Sagem-Handys waren auf Telefonate und SMS beschränkt. Spiele, Kameras oder farbige Menüs spielten noch keine Rolle. Dafür ließen sich viele Funktionen direkt über die Tastatur erreichen, ohne dass man sich durch mehrere Ebenen aus Symbolen und Untermenüs kämpfen musste.

Sagem RC 815 von 1998​


Das Sagem RC 815 gehört zu den auffälligsten Modellen der frühen Generation. Es besaß ein kantiges Gehäuse, ein kleines monochromes Display und eine ausziehbare Antenne. Das Gerät arbeitete im GSM-900-Netz und war damit technisch noch deutlich einfacher aufgebaut als spätere Dualband-Handys.

Mit seiner massiven Form ließ sich das RC 815 zwar nicht besonders unauffällig transportieren, dafür musste niemand lange danach suchen. In einer engen Hosentasche meldete es seine Anwesenheit vermutlich schon vor dem ersten Anruf.

Neben dem ursprünglichen RC 815 erschienen Varianten wie das RC 815 Plus und später das RC 815 Pro. Deshalb finden sich für die Modellfamilie unterschiedliche Jahresangaben. Das frühe RC 815 wird überwiegend dem Jahr 1998 zugeordnet, während das RC 815 Pro erst einige Jahre später erschien.

Sagem MC 922 von etwa 1999​


Das MC 922 wirkte im Vergleich zur RC-Serie bereits etwas schlanker. Die Antenne war weiterhin deutlich sichtbar, das Gehäuse fiel aber handlicher aus. Das Gerät unterstützte GSM 900 und GSM 1800, wodurch es in unterschiedlichen europäischen Mobilfunknetzen eingesetzt werden konnte.

Zur Ausstattung gehörten Telefonbuch, SMS, Wecker, Taschenrechner und eine Freisprechfunktion. Verschiedene Ausführungen wurden unter anderem mit dem Logo von D2 verkauft. Wer heute ein MC 922 findet, kann deshalb je nach Netzbetreiber auf unterschiedliche Farben und Beschriftungen stoßen.

Technisch blieb das Handy überschaubar. Gerade das macht es rückblickend interessant: Jede Taste hatte eine erkennbare Aufgabe, und für ein Systemupdate musste man weder Speicherplatz freiräumen noch das Gerät über Nacht ans Ladekabel hängen.

Sagem MC 939 von 1999​


Das MC 939 war eng mit dem MC 922 verwandt, erhielt jedoch eine herunterklappbare Abdeckung vor einem Teil der Tastatur. Dadurch wirkte das Gerät eleganter, ohne bereits ein vollwertiges Klapphandy zu sein. Die externe Antenne und das monochrome Display blieben erhalten.

Das ursprüngliche MC 939 erschien gegen Ende des Jahres 1999. Eine erweiterte WAP-Version folgte um das Jahr 2000 und ermöglichte den Zugriff auf einfache mobile Internetseiten. Beide Varianten unterstützten GSM 900 und GSM 1800.

Vom MC 939 existieren mehrere Gehäusefarben und Netzbetreiberausführungen. Besonders häufig sind dunkelblaue, blaue und silberne Geräte mit D2-Branding zu finden. Wer nur nach der Gehäusefarbe geht, kann die verschiedenen Versionen daher leicht verwechseln.

Sagem-Handys der 2000er mit Farbe, Kamera und Windows Mobile​


Mit dem Beginn der 2000er veränderten sich auch die Sagem-Handys. Monochrome Anzeigen wichen nach und nach farbigen Displays, polyphone Klingeltöne lösten einfache Pieptöne ab und WAP brachte eine stark vereinfachte Form des Internets auf das Mobiltelefon.

Sagem MW 930 von 2000​


Das MW 930 bildete den Übergang zwischen den kantigen Geräten der 90er und den späteren my-Modellen. Es besaß weiterhin ein monochromes Display und eine äußere Antenne, unterstützte aber bereits Dualband sowie WAP 1.1.

Über WAP ließen sich speziell angepasste Nachrichtenseiten, Wetterinformationen und andere Textangebote aufrufen. Mit einem heutigen Browser hatte das wenig gemeinsam. Der Seitenaufbau erforderte gelegentlich mehr Geduld als eine Warteschleife beim Mobilfunkanbieter, galt damals aber trotzdem als beachtlicher Fortschritt.

Das MW 930 wog ungefähr 117 Gramm und entsprach äußerlich noch stark der vorherigen Modellgeneration. Wer ein Sagem-Handy aus dem Jahr 2000 mit Antenne sucht, dürfte deshalb häufig bei diesem Modell oder einer verwandten MW-Ausführung landen.

Sagem myX-5 von 2002​


Mit dem myX-5 änderte Sagem seine Designsprache deutlich. Die äußere Antenne verschwand, das Gehäuse wurde kompakter und das Display konnte Farben darstellen. Hinzu kamen GPRS, WAP, herunterladbare Klingeltöne, Hintergrundbilder und Bildschirmschoner.

Das Handy wurde mit mindestens 2 Spielen ausgeliefert. Über WAP konnten weitere Inhalte geladen werden, sofern der Mobilfunkvertrag und das überschaubare Datenbudget mitspielten. Auch polyphone Klingeltöne und wechselbare Gehäuseteile passten gut in eine Zeit, in der die Farbe eines Handys beinahe ebenso wichtig war wie seine Empfangsqualität.

Bei der Modellbezeichnung ist Genauigkeit wichtig. Das myX-5, das myX-5m und das spätere myX-5-2 besitzen unterschiedliche Ausstattungen. Die Basisversion des myX-5 hatte keine eingebaute Kamera. Erweiterte Nachrichten- und Telefonbuchfunktionen waren teilweise dem myX-5m vorbehalten. Das lässt sich auch in der erhaltenen Bedienungsanleitung des Sagem myX-5 nachvollziehen.

Sagem myX-6 von 2003​


Das myX-6 brachte Sagem endgültig in die Ära der Kamera-Handys. Es verfügte über eine integrierte VGA-Kamera mit einer Auflösung von 640 × 480 Pixeln. Das TFT-Display stellte 65.536 Farben dar und bot mit 128 × 160 Pixeln deutlich mehr Platz als die Anzeigen früherer Modelle.

Zur Ausstattung gehörten außerdem GPRS, WAP, Infrarot, eine Freisprechfunktion und Sprachaufzeichnung. Fotos konnten direkt im internen Speicher abgelegt werden. Eine Speicherkarte war allerdings nicht vorgesehen, weshalb sich die Sammlung mobiler Meisterwerke zwangsläufig in Grenzen hielt.

Das myX-6 war dennoch ein wichtiger Schritt für Sagem. Es wirkte deutlich moderner als das myX-5 und zeigte, wie schnell sich einfache Mobiltelefone innerhalb weniger Jahre zu kleinen Multimedia-Geräten entwickelten.

Sagem myC-2 von 2003​


Mit dem myC-2 bot Sagem ein echtes Klapphandy an. Das kompakte Gerät wog rund 90 Gramm und besaß ein Farbdisplay mit 256 Farben. Im geschlossenen Zustand waren Tastatur und Hauptdisplay geschützt, wodurch sich das Handy leichter in einer Tasche transportieren ließ.

Telefonbuch, SMS mit T9-Eingabe, polyphone Klingeltöne, WAP-Browser, Wecker und Währungsrechner deckten die wichtigsten Funktionen ab. Eine Kamera gehörte nicht zur Ausstattung. Das myC-2 richtete sich damit an Nutzer, die ein kleines und bezahlbares Klapphandy wollten, ohne für zusätzliche Multimediafunktionen zu bezahlen.

Später erschienen weitere Klappmodelle wie das myC2-3. Auch diese Geräte wurden teilweise unter abweichenden Netzbetreiberbezeichnungen verkauft.

Sagem myS-7 von 2004​


Das myS-7 war Sagems erstes Smartphone mit Windows Mobile. Es unterstützte GSM in 3 Frequenzbereichen sowie GPRS und konnte E-Mails, Termine und Kontakte mit Microsoft Outlook oder einem Exchange-Server synchronisieren.

Das Gerät besaß außerdem eine VGA-Kamera und einen Steckplatz für SD- oder MMC-Speicherkarten. Damit unterschied es sich deutlich von den einfachen myX- und myC-Modellen. Anwendungen, Musik und geschäftliche Daten ließen sich erstmals auf einem Sagem-Handy in größerem Umfang verwalten.

Ein Smartphone mit Outlook-Synchronisierung in der Jackentasche war 2004 durchaus beeindruckend. Dass dafür ein 200-MHz-Prozessor und 32 MB Arbeitsspeicher genügten, dürfte heutigen Mobiltelefonen mit mehreren Gigabyte RAM unangenehme Fragen stellen.

Warum Sagem-Handys häufig als Prepaid-Geräte verkauft wurden​


Sagem konzentrierte sich über lange Zeit auf vergleichsweise preiswerte Mobiltelefone. Viele Modelle boten die wichtigsten Funktionen, verzichteten aber auf teure Extras. Dadurch eigneten sie sich gut für Prepaid-Pakete und spezielle Angebote der Netzbetreiber.

Anbieter wie D2 beziehungsweise Vodafone und Orange verkauften eigene Gerätevarianten mit angepassten Gehäusefarben, Logos oder Menüeinstellungen. Hinter unterschiedlichen Produktnamen konnte deshalb nahezu identische Sagem-Technik stecken. Das erklärt auch, warum sich manche Besitzer noch genau an ihr Handy erinnern, aber nicht mehr an dessen vollständige Modellnummer.

Sagem war mit dieser Strategie nicht allein. Auch die französische Konkurrenz setzte auf einfache und bezahlbare Geräte. Einen weiteren Rückblick findest du in unserem Artikel über die Alcatel One Touch Handys der 90er und 2000er.

Was wurde aus Sagem und der Handyproduktion?​


Sagem war nicht nur ein Handyhersteller, sondern ein französischer Technologiekonzern mit Aktivitäten in den Bereichen Telekommunikation, Elektronik, Luftfahrt und Verteidigung. Im Jahr 2005 schlossen sich Sagem und der Triebwerkshersteller Snecma zum Safran-Konzern zusammen. Die offizielle Geschichte von Safran bestätigt die Entstehung des neuen Konzerns durch diese Fusion.

Das Mobilfunkgeschäft wurde 2008 aus dem Konzern herausgelöst und unter dem Namen Sagem Wireless weitergeführt. Statt einer breiten eigenen Modellpalette konzentrierte sich das Unternehmen zunehmend auf Geräte für Netzbetreiber und andere Marken. Dazu gehörten beispielsweise Mobiltelefone für Vodafone, Porsche Design und Puma.

2011 wurde Sagem Wireless in MobiWire umbenannt. Der Name Sagem verschwand damit weitgehend aus dem Handyhandel. Sagemcom existiert weiterhin und produziert unter anderem Router, Set-Top-Boxen und andere Kommunikationsgeräte. Ein Sagem-Schriftzug auf einem Router bedeutet deshalb nicht, dass irgendwo heimlich ein neues RC 815 entwickelt wird.

Alte Sagem-Handys erkennen und als Sammlerstück bewahren​


Wenn du ein altes Sagem-Handy in einer Schublade findest, solltest du zuerst die Bezeichnung unter dem Akku kontrollieren. Zusätze wie Plus, Pro, m oder eine angehängte Zahl können auf eine technisch andere Variante hinweisen. Gehäusefarbe und Netzbetreiberlogo allein reichen zur sicheren Bestimmung nicht aus.

Für Sammler sind ein unbeschädigtes Gehäuse, die originale Verpackung, die Anleitung und das passende Ladegerät interessant. Ein alter Akku sollte vor dem Laden sorgfältig kontrolliert werden. Ist er aufgebläht, verformt oder ausgelaufen, gehört er nicht mehr in das Gerät.

Wer die Erinnerung lieber ohne die Suche nach einem seltenen Netzteil auffrischen möchte, kann den originalen Sagem-Klingelton kostenlos herunterladen. Die alten Sagem-Handys zeigen schließlich nicht nur, wie schnell sich Mobiltechnik verändert hat. Sie erinnern auch an eine Zeit, in der ein neues Hintergrundbild und ein polyphoner Klingelton bereits als umfangreiche Personalisierung durchgingen.