Das Alcatel One Touch Easy brauchte weder ein Farbdisplay noch eine Kamera, um aufzufallen. Sein kräftig gefärbtes Gehäuse, die deutlich sichtbare Antenne und das kleine monochrome Display machten es Ende der 90er unverwechselbar. Falls der Akku leer war, konnte das Handy sogar mit handelsüblichen AAA-Batterien betrieben werden. Die Powerbank gab es also gewissermaßen schon, sie sah nur deutlich weniger elegant aus.

Nach dem One Touch Easy entwickelte Alcatel seine Mobiltelefone schnell weiter. Aus den großen Geräten mit Antenne wurden kompaktere WAP-Handys, später folgten Farbdisplay, GPRS und Kamera. Dabei erschienen zahlreiche Varianten, deren Namen sich teilweise nur durch eine Zahl oder den Zusatz db unterschieden. Dieser Rückblick ordnet die wichtigsten alten Alcatel-Handys nach Erscheinungsjahr und Ausstattung.

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Bild: Alcatel One Touch Easy: Das Kult-Handy der 90er steht beispielhaft für alte Alcatel-Handys, die bis in die frühen 2000er verbreitet waren.

Alte Alcatel-Handys im Überblick: Modelle und Erscheinungsjahre​


Die One-Touch-Familie bestand aus deutlich mehr Geräten als dem bekannten Easy. Einige Modelle wurden zunächst angekündigt und erst Monate später in mehreren Ländern verkauft. Deshalb können sich die Jahresangaben je nach Quelle und Markt leicht unterscheiden.

Alcatel-Modell
Vorstellung oder Verkaufsstart
Besonderheit
One Touch Easy1997/1998Antenne, farbige Gehäuse und Betrieb mit AAA-Batterien
One Touch Club+ und Max1998Varianten der frühen One-Touch-Reihe
One Touch COM1998Touchscreen, Eingabestift und Organizer
One Touch Easy db1999/2000Dualband und größeres Display
One Touch 5011999/2000Kompaktes Gehäuse und WAP
One Touch 7011999/2000Herunterklappbare Tastatur und WAP
One Touch 5352002/2003Erstes Alcatel-Handy mit Farbdisplay
One Touch 7352003Farbdisplay und integrierte Kamera

Die genaue Modellbezeichnung steht bei vielen alten Alcatel-Handys auf dem Aufkleber unter dem Akku. Dieser Blick lohnt sich, weil ähnlich aussehende Geräte technisch unterschiedlich ausgestattet sein können. Besonders die Zusätze db, HF oder einzelne Ziffern weisen häufig auf eine andere Netzunterstützung oder Modellgeneration hin.

Alcatel One Touch Easy: Das Kult-Handy mit Antenne​


Erscheinungsjahr 1997 oder 1998​


Das ursprüngliche Alcatel One Touch Easy trug die Modellnummer HD1. Alcatel stellte das Handy 1997 vor, der Verkaufsstart folgte 1998. Die beiden Jahreszahlen bezeichnen somit keine unterschiedlichen Modellvarianten, sondern Vorstellung und Markteinführung.

Hinzu kommen spätere Varianten wie das One Touch Easy HF und das One Touch Easy db. Letzteres erschien um 1999 beziehungsweise 2000 und unterstützte neben GSM 900 auch GSM 1800. Wer sich an ein Alcatel One Touch Easy aus dem Jahr 2000 erinnert, meint daher wahrscheinlich nicht mehr das ursprüngliche HD1.

Farben, Batterien und einfache Bedienung​


Das erste One Touch Easy wog etwa 160 Gramm und besaß ein monochromes Display mit 2 Zeilen zu jeweils 12 Zeichen. Anrufe, SMS, Uhr und Wecker deckten den wesentlichen Funktionsumfang ab. WAP, Kamera und farbige Menüs gehörten noch nicht dazu.

Auffällig waren die verschiedenen Gehäusefarben. Neben zurückhaltenden Varianten wurden auch grüne, blaue, gelbe oder orangefarbene Geräte angeboten. Nicht jede Version besaß jedoch austauschbare Abdeckungen. Häufig handelte es sich um eigenständige Farbvarianten des kompletten Handys.

Eine Besonderheit war die Stromversorgung. Das One Touch Easy ließ sich je nach Ausführung mit einem Akkupack oder handelsüblichen AAA-Batterien betreiben. Damit blieb es auch dann erreichbar, wenn kein passendes Ladegerät verfügbar war. Alkaline-Batterien durften allerdings nicht im Handy aufgeladen werden.

Das spätere One Touch Easy db wurde handlicher und erhielt ein Display mit 3 Textzeilen. Der Zusatz db stand für Dualband, also die Unterstützung von GSM 900 und GSM 1800. Äußerlich blieb die Verwandtschaft zum ursprünglichen Easy trotzdem klar erkennbar.

Weitere Alcatel-Handys der 90er: Club+, Max und One Touch COM​


One Touch Club+ und Max​


Mit dem One Touch Club+ und dem One Touch Max erweiterte Alcatel 1998 seine junge Modellfamilie. Beide Geräte orientierten sich am Easy, setzten aber andere Schwerpunkte. Das Club+ besaß eine verschiebbare Abdeckung vor der Tastatur, während das Max als einfacher Ableger der Reihe angeboten wurde.

Diese Modelle zeigen, wie Alcatel damals verschiedene Preisgruppen bediente, ohne für jedes Gerät ein vollständig neues Konzept zu entwickeln. Gehäuse, Displaygröße und Funktionsumfang wurden angepasst, die grundlegende Bedienung blieb vertraut. Eine ähnliche Strategie verfolgte die französische Konkurrenz, deren wichtigste Geräte wir in unserem Rückblick auf alte Sagem-Handys der 90er und 2000er zusammengefasst haben.

One Touch COM mit Touchscreen und Eingabestift​


Das One Touch COM passte kaum zum schlichten Easy. Alcatel entwickelte es gemeinsam mit Sharp und brachte bereits 1998 ein Mobiltelefon mit resistivem Touchscreen und Eingabestift auf den Markt. Das monochrome Display löste mit 160 × 239 Pixeln auf und ließ sich für Kalender, Adressbuch, Notizen und E-Mails verwenden.

Hinzu kamen Fax-Unterstützung, eine Infrarotschnittstelle und die Synchronisierung mit Microsoft Outlook. Der interne Speicher umfasste ungefähr 350 KB. Heute belegt schon ein durchschnittliches Vorschaubild mehr Platz, damals reichte diese Kapazität für zahlreiche Kontakte, Termine und Nachrichten.

Mit einem Gewicht von rund 245 Gramm war das One Touch COM allerdings kein unauffälliges Taschenhandy. Es zeigte dennoch erstaunlich früh, welche Richtung Mobiltelefone später einschlagen würden: ein Bildschirm, persönliche Daten, Internetfunktionen und möglichst wenige getrennte Geräte.

Alcatel-Handys der 2000er: Vom One Touch 501 zum Kamerahandy​


One Touch 501 und 701 mit WAP und Monochromdisplay​


Das Alcatel One Touch 501 leitete um die Jahrtausendwende eine deutlich kompaktere Generation ein. Es wog ungefähr 103 Gramm, besaß ein grafisches Monochromdisplay und unterstützte WAP. Telefonbuch, Sprachwahl, Freisprechfunktion, Kalender und Sprachmemos machten es vielseitiger als die frühen Easy-Modelle.

WAP brachte stark vereinfachte Internetseiten auf das Handy. Nachrichten, Wetterinformationen und andere Textangebote ließen sich grundsätzlich abrufen, allerdings langsam und mit wenig Komfort. Bis eine Seite aufgebaut war, blieb gelegentlich genug Zeit, die Dringlichkeit der eigenen Wetterabfrage noch einmal zu überdenken.

Das One Touch 701 gehörte zur gleichen Gerätegeneration. Es war noch leichter und besaß eine herunterklappbare Abdeckung vor einem Teil der Tastatur. Auch dieses Modell arbeitete mit einem monochromen Display und WAP 1.1. Ein Farbdisplay, MMS und polyphone Klingeltöne gehörten nicht zu seiner Ausstattung. Diese Funktionen kamen bei Alcatel erst mit späteren Baureihen.

Akustisch blieben die einfachen Melodien trotzdem ein wichtiger Teil der Marke. Wer den Klang heute auf einem aktuellen Smartphone hören möchte, kann den Alcatel Top Secret Klingelton als MP3 oder M4R herunterladen.

One Touch 535 und 735 mit Farbdisplay und Kamera​


Mit dem One Touch 535 erreichte Alcatel 2002 die Farbdisplay-Ära. Das Display stellte 4.096 Farben bei einer Auflösung von 128 × 128 Pixeln dar. Eine integrierte Kamera besaß das Modell noch nicht. Dafür unterstützte es GPRS, WAP, MMS und polyphone Klingeltöne.

Der Unterschied zu den monochromen Geräten war sofort sichtbar. Menüs, Hintergrundbilder und Nachrichten ließen sich farbig darstellen, auch wenn die Anzeige nach heutigen Maßstäben sehr grob wirkte. Für Nutzer früherer One-Touch-Modelle war das dennoch ein großer Sprung.

Das One Touch 735 folgte 2003 und ergänzte eine eingebaute Kamera mit einer Auflösung von 352 × 288 Pixeln. Fotos konnten direkt auf dem Handy gespeichert und per MMS verschickt werden. Das Gerät verfügte ebenfalls über ein Farbdisplay mit 4.096 Farben sowie GPRS und WAP.

Damit gehört das 735 zu den frühen Alcatel-Kamerahandys. Die Bildqualität reichte nicht für große Ausdrucke, aber für ein Foto auf dem Handy oder eine MMS an Freunde. Vor allem zeigt das Modell, wie schnell sich Mobiltelefone innerhalb weniger Jahre veränderten: Zwischen dem zweizeiligen Easy und dem 735 mit Kamera lagen nur etwa 6 Jahre.

Lassen sich alte Alcatel-Handys heute noch nutzen?​


Die meisten Alcatel-Handys aus den 90ern und frühen 2000ern verwenden ausschließlich 2G beziehungsweise GSM. Telefonate und SMS können daher nur funktionieren, wenn ein erreichbares 2G-Netz vorhanden ist und die eingesetzte SIM-Karte vom Gerät erkannt wird.

In Deutschland betreiben Telekom, Vodafone und Telefónica ihre GSM-Netze noch, haben die reguläre Abschaltung aber für 2028 angekündigt. Die Deutsche Telekom plant das Ende ihres 2G-Netzes zum 30. Juni 2028. Abhängig vom Mobilfunkanbieter kann ein altes Alcatel-Handy deshalb nur noch für begrenzte Zeit als normales Telefon eingesetzt werden.

Vor dem Einschalten sollten einige Punkte geprüft werden:

  • Der Akku darf nicht aufgebläht, ausgelaufen oder verformt sein.
  • Ladegerät, Spannung und Anschluss müssen zum Modell passen.
  • Eine moderne SIM-Karte muss sowohl mechanisch als auch elektrisch kompatibel sein.
  • Eine vorhandene Netzbetreibersperre kann fremde SIM-Karten blockieren.
  • Grünliche oder weiße Ablagerungen an Kontakten deuten auf Korrosion hin.

WAP und andere damalige Onlinedienste sind kaum noch sinnvoll nutzbar. Viele Gateways wurden abgeschaltet, alte Sicherheitsverfahren werden nicht mehr unterstützt und moderne Webseiten sind für diese Browser ungeeignet. Als Telefon und SMS-Gerät kann ein funktionierendes Modell im 2G-Netz noch dienen, als Zugang zum heutigen Internet dagegen nicht.

Was aus den Alcatel-Handys wurde​


Alcatel war ursprünglich ein französischer Telekommunikationskonzern und nicht nur ein Handyhersteller. Die One-Touch-Reihe machte den Namen ab 1997 jedoch auch bei privaten Mobilfunkkunden bekannt. Besonders einfache und vergleichsweise günstige Geräte brachten die Marke in Prepaid-Pakete, Elektronikmärkte und Mobilfunkläden.

2004 gründeten Alcatel und der chinesische Hersteller TCL ein gemeinsames Unternehmen für Mobiltelefone. Bereits 2005 übernahm TCL die restlichen Anteile und führte die Handys unter dem Namen Alcatel weiter. Die klassische französische Handyproduktion war damit beendet.

Als Nokia 2016 Alcatel-Lucent übernahm, gelangte auch die Alcatel-Marke zu Nokia. Das bedeutete jedoch nicht, dass Nokia anschließend Alcatel-Handys produzierte. TCL Communication verwendete den Namen weiterhin unter Lizenz und brachte darunter vor allem preiswerte Mobiltelefone und Smartphones heraus.

Alte Alcatel-Handys erkennen und als Sammlerstück bewahren​


Bei einem Fund auf dem Dachboden sollte zuerst der Akku entfernt und der Aufkleber im Gerätefach kontrolliert werden. Dort stehen die Modellnummer, häufig eine zusätzliche Typenbezeichnung und die IMEI. Angaben wie HD1, BE1 oder BH4 können bei der genauen Bestimmung hilfreicher sein als die Beschriftung auf der Vorderseite.

Für Sammler sind ein unbeschädigtes Gehäuse, kräftige Originalfarben, Anleitung, Verpackung und das passende Ladegerät interessant. Ein seltener Farbton kann den Reiz erhöhen, garantiert aber keinen bestimmten Wert. Gebrauchtpreise schwanken stark nach Zustand, Funktionsfähigkeit und Vollständigkeit.

Ein alter Akku sollte getrennt vom Handy gelagert werden. Dadurch kann auslaufende Flüssigkeit keine Kontakte oder Platinen beschädigen. Lässt sich der Akku nicht mehr sicher verwenden, gehört er zu einer geeigneten Batteriesammelstelle und nicht zurück in die Schublade.

Das One Touch Easy bleibt der bekannteste Alcatel-Klassiker, doch Modelle wie das COM, 501, 535 und 735 erzählen die technisch spannendere Geschichte. Sie zeigen den Weg von Antenne und Zweizeilendisplay bis zu Touchscreen, WAP, Farbe und Kamera. Weitere fast vergessene Geräte derselben Zeit findest du bei den Trium-Handys der 90er.